KRITIK

Jane Eyre

Plakat zum Film Jane EyreSchon nach wenigen Minuten ist klar, dass es genau diese x-te Adap­tion des viktorianischen Romanklassikers von Charlotte Bronte gebraucht hat: Der junge Regisseur Cary Fukunaga, viel gefeiert für sein bildmächtiges Mexiko-Drama „Sin Nombre“ (2009), setzt auf psychologischen Realismus ohne Penetranz, erzählt konzentriert, aber in Bild und Ton wuchtig. Sein erst dritter Spielfilm beginnt mit der Katastrophe, zeigt die Flucht Jane Eyres aus Thornfield Hall, dem Landsitz, in dem sie jahrelang als Gouvernante diente.

In Rückblenden, mal schlaglichtartig, mal ausgedehnt, entfaltet sich der Leidensweg der jungen Waise: wie sie von ihrer Tante und im Internat gedemütigt wird und trotzdem nicht zerbricht; wie sie in Thornfield den dunkel-romantischen Hausherrn Rochester kennenlernt, der in ihr eine Seelenverwandte erkennt, wie dann kurz vor dem Ja-Wort sein dunkles Geheimnis ans Licht kommt. Das Ganze ist atmosphärisch sehr dicht. Den bekannten Stoff erzählt Fukunaga bis zum Ende, das hier so happy nicht aussehen will, als Kostümfilm-Liebesdrama mit Anleihen beim Gruselkrimi.

Szene aus dem Film Jane Eyre

Jane (Mia Wasikowska) und Rochester (Michael Fassbender) (Foto: (c) Tobis Film)

Heraus kommt ein schlüssiges Emanzipationsdrama mit zwei faszinierenden Hauptdarstellern: Michael Fassbender, Star der Stunde („Eine dunkle Begierde“), gibt Rochester kunstvoll als innerlich gepeinigten Charismatiker. Oscarreif ist Mia Wasikowska in der Titelrolle: Die 22-jährige Australierin, die als „Alice im Wunderland“ im gleichnamigen Film von Tim Burton bekannt wurde, arbeitet mit bewundernswertem Minimalismus alle Facetten der Protofeministin Jane heraus: ihre Gewissenhaftigkeit und Verzweiflung, ihre Hoffnung und Konsequenz. Sehr beeindruckend. Sehenswert.

  

Kritikerspiegel Jane Eyre



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 





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INHALT

Nach einer entbehrungsreichen Jugend im Waisenhaus tritt die 18-jährige Jane Eyre eine Stelle als Gouvernante auf dem entlegenen Landsitz Thornfield Hall an. Mr. Rochester, Herr des Hauses, ist ein knorriger und verschlossener Mann. Dennoch entbrennt Jane langsam aber sicher in stürmischer Liebe zu ihm. Er aber scheint zu ihrem großen Unglück eine andere zu bevorzugen. Außerdem gehen auf dem einsamen Anwesen in der wilden Moorlandschaft unheimliche und beängstigende Dinge vor sich, die dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit erahnen lassen …
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Eure Kritiken zu Jane Eyre

  1. Udo

    Eine sehr gelungene Romanadaption von Fukunaga. Mit herausragenden Darstellern. Vor allem für das Wochenende oder den Sonntagnachmittag der ideale Film für die ganze Familie. Nicht verpassen!

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