KRITIK

James Bond 007: Casino Royal

James Bond 007: Casino Royal Martin Campbell ist offenbar der richtige Mann für Neuanfänge: Vor elf Jahren drehte der australische Regisseur „GoldenEye“, den ersten und nach wie vor besten Bond-Film mit Pierce Brosnan. Jetzt, nach Brosnans Abgang, haben die Broccoli-Produzenten wieder Campbell („Im Zeichen des Zorro“) verpflichtet, um „dem Neuen“ einen angemessenen Start zu bereiten. Und siehe da: Der im Vorfeld viel belächelte blonde Brite Daniel Craig („München“) macht seine Sache ganz hervorragend und passt bestens ins selbst verordnete neue Konzept der Reihe: weniger technischer Schnickschnack (Folge: Erfinder Q tritt nicht auf), weniger aufgeblasene Hightech-Action (Folge: das Budget ließ sich um ein Drittel reduzieren). Dafür mehr handgemachte, aber fulminante Selfmade-Action wie Verfolgungsrennen und Verfolgungsjagden (dafür ist der durchtrainierte Craig bestens geeignet) und beherztes Aufräumen mit lieb gewonnenen Traditionen – ob der Martini geschüttelt oder gerührt wird, ist dem neuen Bond herzlich egal, und Miss Moneypenny wurde dramaturgisch gleich mitentsorgt.

Dabei ist der neue Bond eigentlich der älteste Bond, denn „Casino Royale“ ist schließlich das erste Ian-Fleming-Buch über 007 und erzählt einführend, wie Bond überhaupt an die Doppelnull gelangte. Und so ist es skurrilerweise der moderne, weibliche M (Judi Dench aus „Stolz und Vorurteil“), der den sechsten Bond der Filmgeschichte erst zu 007 macht und ihn, wie schon in den beiden „Casino Royale“-Verfilmungen aus den 1950er und 60er Jahren, auf den mathematisch ingeniösen Terrorboss „Le Chiffre“ ansetzt.

Zuvor gibt es einen harten Auftakt in Schwarzweiß, den schönsten Bond-Vorspann seit langer Zeit (im Pokerspiel-Design) und den möglicherweise bislang schlechtesten Bond-Song (von Chris Cornell). Dann geht’s los: Nach spektakulärem afrikanischem Auftakt, in dem Bond dem Freerunner-Star Sebastien Foucan über Stock, Stein und Gerüst nachhetzt, fliegt er sich umgehend auf die Bahamas ein, wo er sich an einen von Le Chriffres Handlanger heranpirscht: Dimitrios (Simon Abkarian aus „Zaina“) plant, wie Bond herausfindet, ein Bombenattentat in Miami. Die Verfolgungsjagd auf dem dortigen Flughagenrollfeld ist klassische Actionfilmkost vom Feinsten. Eher im Vorbeigehen wird auch das erste Bondgirl (Caterina Murino) verschlissen. Richtig romantisch wird’s dann in Montenegro (von Tschechien gedoubelt), wo Bond den großen Le Chiffre im Pokerspiel besiegen muss, um den Terrorboss in die Mangel seiner noch mächtigeren Hintermänner zu bringen. Hier steht Spielspannung und die Schauspielkunst der Beteiligten im Mittelpunkt, vor allem das erotische Geplänkel zwischen Bond und der britischen Finanzexpertin Vesper Lynd (Eva Green aus „Königreich der Himmel“), die als einziges Bond-Girl im Film Format beweisen darf. Und der Däne Mads Mikkelsen („Adams Äpfel“) darf als Le Chriffre mit Blut tränenden Augen einen äußerst memorablen, elendig-sadistischen Bösewicht erschaffen.

Wie es dann weitergeht über Folterstuhl, venezianisches Liebesglück und Bonds finale Rache am Comer See, ist dramaturgisch nicht immer geglückt und etwas zu lang geraten, macht aber mit Nachdruck klar, dass Selbstironie und Postmoderne ganz entschieden harter Macho-Action und erstaunlicher Ernsthaftigkeit gewichen sind. Wer gerade die Ironie liebte, wird das bedauern. Als stringenter Actionfilm mit cleveren Überraschungen überzeugt der erste Craig-Bond trotzdem sehr.



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INHALT

Die Anfänge. Agent James Bond ist noch ein unbeschriebenes Blatt beim MI 6, als er durch zwei ausgeführte Aufträge die Lizenz zum Töten erhält. Mit neuem Status verhindert 007 Anschläge einer Terrororganisation, deren finanzielles Netzwerk vom Geschäftsmann Le Chiffre organisiert wird. Beim Pokerspiel im Casino Royale soll Bond Le Chiffre ruinieren, diskreditieren und die Bosse im Hintergrund aus der Reserve locken.
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Eure Kritiken zu James Bond 007: Casino Royal

  1. Gernot

    Daniel Craig ist einfach ein Traum. Der beste Schauspieler der jemals Bond spielen durfte. Seine Intensität, Härte und Charisma sind atemberaubend. Das ist Ian Flemings Originalbond! Weltklasse!

  2. tine

    ich war gestern wirklich überrascht, wie sehr der film mich umgehauen hat. das craig passt, habe ich mir schon gedacht … nach filmen wie layer cake (action) und the mother (charisma)… aber das es mich dann so packen würde … der beste bond den ich je sehen durfte, bisher …

  3. Eva

    Selten so ein umwerfendes Kino-Paar gesehen wie nun Eva Green und Daniel Craig. Der beste Bond bisher: Hart, schnell, tödlich, charmant und zärtlich. Und diesmal mit einer starken Partnerin, die allein den Film sehenswert macht.

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