KRITIK

Jagdfieber

Jagdfieber Auch wenn man die schier unendliche Flut an computergenerierten Trickfilmen, die mittlerweile in die Kinos gebracht werden, kaum mehr zu durchschauen vermag und es allmählich schwer wird, die einzelnen Knuddeltier-Klamotten noch voneinander zu unterscheiden: Der Erfolg ist ungebrochen, und mit Sony drängt nun ein weiterer Mitspieler auf den von Pixar und DreamWorks beherrschten Markt. Mit Roger Allers, der einst den oscargekrönten Disney-Klassiker „Der König der Löwen“ inszenierte, holte man sich einen erfahrenen Co-Regisseur an Bord, mit Teenieschwarm Ashton Kutcher und Komiker Martin Lawrence zudem zwei prominente Sprecher für die Hauptrollen, und siehe da: „Jagdfieber“ ist im CGI-Sektor der Tiertrickkomödien, nach Murks wie „Der tierisch verrückte Bauernhof“, mal wieder ein ganz ordentliches Exemplar der Gattung geworden. Sicher nicht sehr originell, schon gar nicht herausragend, aber solide.

Im Zentrum steht ein sehr unterschiedliches Tier-Duo – eine Idee, die durch „Shrek“ und „Ice Age“ für erfolgsgeprüft befunden wurde. Der dicke Grizzlybär Boog (im Deutschen von Thomas Heinze entsprechend gemütlich gesprochen) ist dabei keineswegs ein blutrünstiger Menschenfresser, sondern ein domestizierter Hausbär, der in der Garage einer sympathischen Wildhüterin (deutsche Stimme: Alexandra Neldel) lebt, mit Vollpension und Kuscheltier. Ihm zur Seite gesellt sich der dauerquasselnde Maultierhirsch Elliot, dem in der deutschen Fassung der momentan omnipräsente Jürgen Vogel eine äußerst charmante Stimme verleiht. Weil Boog ihn aus den Fängen des groben Jägers Shaw befreit, weicht der nervtötende Elch-Winzling dem großen Bären nicht mehr von der Seite. Gemeinsam verwüstet man einen Süßigkeitenshop und wird als Konsequenz hoch oben in der Wildnis der umliegenden Berge ausgesetzt.

Der Schock ist groß: Boog ist an die Annehmlichkeiten im kleinen Dorf gewöhnt und findet sich in freier Wildbahn überhaupt nicht zurecht. Tumbe Hasen schauen ihm beim Urinieren zu, eine Eichhörnchen-Armee bewirft ihn mit Nüssen, Stachel- und Stinktiere sorgen für Irritationen, Enten berichten von traumatischen Luftkriegserfahrungen, Boogs Orientierungssinn hat eine kaum mehr entzifferbare Schwundstufe erreicht, und obendrein wird in der Region just die Jagdsaison eröffnet. Boogs Abstieg zum ersehnten Dorf, bei dem ihm nicht nur Elliot, sondern bald auch all die anderen Tiere in Erwartung eines gigantischen Süßigkeitenparadieses folgen, steht also unter keinem guten Stern.

Der Mittelteil von „Jagdfieber“ ist am besten – also die Passagen, in denen der verwöhnte Streichelbär mit den Widrigkeiten der Natur zurechtkommen muss. Den Story-Schreibern, Zeichnern und Regisseuren sind da einige wirklich gute, mitunter sogar skurrile Gags, Dialoge und Charaktere eingefallen, und die Sprecher der deutschen Fassung machen ihre Sache sehr gut, um deren Witz auch synchronisiert nicht zu ruinieren. Im weiteren Verlauf des Films nutzt sich das Konzept dann ein wenig ab. Der Bund der Wildtiere gegen die Hinterwäldler und Jäger bietet zwar einige temporeiche Actionszenen, wiederkäut aber allzu viel Bekanntes. In der Tat plündert „Jagdfieber“ nahezu alle erfolgreichen CGI-Filme der letzten Jahre und setzt die Beute neu zusammen. Das kann man einfallslos finden. Aber immerhin sorgt es für routinierte Unterhaltung. Auf dem Weg von der bloßen technischen Sensation ist der Computertrickfilm eben endgültig im Mainstream angekommen.



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INHALT

Als zahmes Haustier von Rangerin Beth hat Grizzly Boog ein cooles Leben mit Rundumversorgung all inclusive. Bis Maultierhirsch Elliot in die Idylle platzt, Chaos stiftet und Boogs Zukunft verändert. Nach einigen Vorfällen sieht sich Beth gezwungen, den Bären in die Wildnis zu entlassen. Boog ist von der ungewohnten Umgebung geschockt, zumal in drei Tagen die gefürchtete Jagdsaison beginnt.
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