KRITIK

Jackie

Bild (c) Tobis Film.

Bild (c) Tobis Film.

Keine drei Jahre war John F. Kennedy im Präsidenten-Amt, als er am 22. November 1963 in Dallas ermordet wurde und so ein Aufbruchsgeist versiegte, von dem viele sagen, dass Amerika ihn bis heute nicht wiedergefunden habe. Und über diesen JFK sind schon mehrere Filme gedreht worden ­­– meist stand seine Frau Jacqueline darin dekorativ am Rande, eine Mode-Ikone, deren stilvolle Eleganz vom Trauma des Attentats kaum mehr zu trennen war: mit Pillbox-Hut zum blutverklebten Chanel-Kostüm.

Der chilenische Regisseur Pablo Larraín, bekannt für clevere Zeitgeschichtsanalysen („No!„), stellt „Jackie“ ins Zentrum eines Films, der nicht als gängiges Biopic durchgeht: Larraín konzentriert sich auf die Zeit kurz vor und die Woche nach dem Attentat und rahmt das Ganze durch das „Re-Enactment“ jenes berühmten Interviews, das Jackie Kennedy damals dem Magazin „Time“ gab. Auf schlüpfrige Ehe-Interna aus der Präsidentenkemenate oder wiedergekäute Klatschgeschichten aus der Onassis-Ära wartet man bei Larraín vergebens.

Produzent Darren Arronofsky, Drehbuchautor Noah Oppenheim („Die Bestimmung„, „Maze Runner“) und regisseur Pablo Lorraín hatten vielmehr eine am Extremfall geschärfte Charakteranalyse im Sinn: Der Film zeigt nicht nur, in assoziativen Montagen, fragmentarischen Szenen und mit echtem wie nachgestelltem Archivmaterial, wie die damals 34-Jährige mit dem Verlust ihres Ehemanns fertig werden musste. Er zeigt auch, wie der engagierten First Lady das gesuchte und gefürchtete Rampenlicht ruckartig entzogen wird ­­– und wie sie zugleich, aus Selbstschutz, Wut, Trotz und Trauer, damit beginnt, den bis heute gültigen Kennedy-Mythos aktiv mitzugestalten.

Natalie Portman ist dafür eine perfekte Besetzung. Mit nachgeahmtem Sprachduktus und entsprechend kostümiert, bedient sie einerseits haargenau das Image, das von Jackie Kennedy überliefert ist; andererseits macht sie im Einklang mit der Regie etwas ganz Eigenes aus dieser Figur. Beeindruckend changiert sie zwischen charmanter Noblesse, Souveränität, distanzierter Schüchternheit und abgrundtiefer Verzweiflung – und nimmt damit direkten Kurs auf ihren zweiten Oscar nach „Black Swan„. Sehenswert.

 

 

Kritikerspiegel Jackie



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

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