KRITIK

Jack Reacher

Plakat zum Film Jack ReacherInsgesamt 17 Jack-Reacher-Thriller hat Lee Child bislang geschrieben; sie gehören zum Besten, was im Genre harter Krimis derzeit zu lesen ist. Nun hat der für sein Drehbuch zu „Die üblichen Verdächtigen“ mit dem Oscar ausgezeichnete Regisseur Christopher McQuarrie erstmals eines der Bücher fürs Kino umgesetzt: Es ist „Sniper“, der neunte Band. Als die Besetzung bekannt wurde, kam es im Lager der beinharten Reacher Creatures (wie sich die Fans des Romanserienhelden nennen) zum Aufschrei: Jack Reacher, dieser durchs Land ziehende Einzelgänger und Ex-Militärcop, ein blonder, abgerissener Zweimeterhüne mit nichts als einer Reisezahnbürste im Gepäck, dieser Reacher also sollte ausgerechnet vom geringwüchsigen und idealgesichtigen Scientologen Tom Cruise gespielt werden?

Die Wellen der Empörung waren hoch. Doch der Sturm hat sich gelegt. Mittlerweile ist Entwarnung gegeben worden. Cruise spielt Reacher minimalistisch und – für seine Verhältnisse – erfreulich uneitel. Ein bisschen so wie damals den weißhaarigen Killer in „Collateral“. Ein Meisterwerk von Krimiverfilmung ist trotzdem nicht herausgekommen: Reacher wird zu Rate gezogen, als ein Scharfschütze aus der Militärpolizei aufgrund schlagender Beweise angeklagt wird, in Pittsburgh wahllos fünf Passanten niedergeschossenen zu haben. Reacher hat mit dem Verdächtigen selbst schon Hühnchen gerupft, kriegt nach Dokumentendurchsicht aber erste Zweifel: Steckt ein Komplott hinter den Anschuldigungen?

Szene aus dem Film Jack ReacherDie Entflechtung desselben nimmt dann den Rest des Films ein; größere Überraschungen sind dabei nicht auszumachen. Ex-Bond-Girl Rosamund Pike gibt die Anwältin des Angeklagten, der große Robert Duvall hat ein paar schöne Auftritte als Kriegsveteran, doch der schönste Besetzungscoup ist sicher Regie-Legende Werner Herzog, der den (russischen) Mann im Hintergrund spielt – in seinem patentiert bayrisch-englischen Zungenschlag (also am Besten in der OF anschauen). Das Bemerkenswerteste an „Jack Reacher“ ist allerdings sein Konservatismus: Wo inzwischen jeder Fernsehkommissar seine Schrullen und Traumata pflegt, jeder Comic-Held psychologisch ausgedeutet wird und selbst Bond in Grauzonen und Untiefen herumdoktert, da ist Reacher einfach nur Reacher. Der Agent mit der Zahnbürste. Fortsetzung bei Erfolg. Garantiert.

  



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