KRITIK

Italienisch für Anfänger

Italienisch für Anfänger Die dänische Dogma-Bewegung hat mit ihrer reinheitsgläubigen Handkamera-Ästhetik und der selbstverordneten Beschränkung auf Originalschauplätze ohne künstliches Licht ja mittlerweile ein viel diskutiertes Randkapitel Filmgeschichte geschrieben.
Seit Thomas Vinterbergs abgründige Familien-Feier „Das Fest“ und Lars von Triers freizügige Gruppen-Therapie „Idioten“ über die Leinwände wackelten, ist das Gütesiegel der nordischen Neo-Puritanisten zum Genre-Begriff avanciert, mit dem die Kinobesucher jenseits von Hollywood porentief-realitätsnahes Kino verbinden. Die keusche Form allerdings kennt man nun zur Genüge, die Gebotsauslegung allein interessiert nicht mehr. Insofern ist Lone Scherfigs Tragikomödie „Italenisch für Anfänger“ kaum als weiteres Dogma-Experiment beachtlich, sondern es fesselt schlicht und ergreifend seine gefühlsgläubige Schicksals-Geschichte.
Die Regisseurin entwirft hier gekonnt das Gruppenbild einiger vom Leben gezeichneter Kopenhagener Vorort-Existenzen, die auf himmlische Weise zusammengeführt werden.
Wie sie hier die im Grunde vor Sozialtristesse und Tränen-Schwere nur so überbordende Story, deren Motive andere Filmemacher bestenfalls für eine aufgeblasene Seifenoper nutzen würde, zu einem humanistischen Glanzstück verdichtet, ist so staunenswert wie herzerwärmend.
Ihr Hohelied auf die alles überwindende Kraft der Liebe klingt in keinem Moment prätentiös, nie salbungsvoll. Und die fabelhaften Darsteller, die sich am Ende in Venedig versammeln dürfen, beweisen en passant, wo die wahre Stärke dieses Dogma-Werks liegt: Im Zoom des Augenblicks. Patrick Wildermann



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INHALT

Der Pfarrer Andreas, der unlängst seine Frau verloren hat, tritt seinen Dienst in einer gottverlassenen Pfarrei vor leeren Kirchenbänken an. Die Friseuse Karen muss mitansehen, wie ihre Mutter langsam an den Folgen ihrer jahrelangen Alkoholsucht verendet und verliert darüber die Nerven. Die Verkäuferin Olympia lebt unter der Knute ihres verbitterten Vaters, hat nichts im Griff und besitzt kein Fünkchen Selbstvertrauen. Der ruppige Restaurantmanager und Fussballfan Hal-Finn wird gefeuert, weil er die Gäste anpöbelt. Und dessen Kumpel, der tapsige Portier Jörgen, ist impotent und heimlich verliebt in die Kellnerin Giulia.
All diese Gebeutelten finden sich schließlich in einem Abend-Kurs für Italienisch wieder und haben bald noch mehr gemeinsam: Sie sind sprachlos vor Glück.
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Eure Kritiken zu Italienisch für Anfänger

  1. tine

    wunderbar.nicht mehr, nicht weniger. sehr traurig, oft. andererseits ein dauerschmunzeln im gesicht. sympathische hauptdarsteller und so unglaublich echte geschichten. wunderschön 🙂

  2. Andreas

    Sehr schön!Ein wirklich sehenswerter Film. Allerdings finde ich die Personen teilweise in ihrer Schüchternheit zu überzeichnet. Sara Indrio Jensen hat es mir sehr angetan! Leider finde ich bislang keine Informationen über sie im Internet 🙁

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