KRITIK

It Might Get Loud

It Might Get Loud Musikdokumentationen im Kino. Wer die Musik, um die es im Film geht, mag, der schaut sich gerne auch den Film dazu an. In den seltensten Fällen allerdings erzählen Musikdokumentationen mehr, als der Fan eh schon weiß. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Zuschauer Fan der Musik sein muss, um Interesse am Film zu haben. Also kommt es nicht auf den Film, sondern auf die Musik an! Richtig? Nein, nicht unbedingt, wie uns Musikfan und Oscarpreisträger Davis Guggenheim zeigt.

Davis Guggenheims, der für seine politisch engagierte, aber auch ein wenig pathetische Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ den Oscar gewonnen hat, wählt mit seiner neuen Doku einen anderen Ansatz. „It Might Get Loud“ ist ein persönlicher, intimer Film, in dem es nicht um einzelne Stars oder Bands, sondern um die überwältigende Wirkung der E-Gitarre im Allgemeinen geht. So legt sich natürlich ein Hauch von Nostalgie über Guggenheims Film, denn wenn von E-Gitarre und Rockmusik die Rede ist, sind meist Begriffe wie „Legenden“, „Woodstock“, „Hendrix“ und „Dinosaurier“ auch nicht weit. Doch wer könnte besser von der Faszination der E-Gitarre reden als die besten Lead-Gitarristen aus drei Generationen? Und Guggenheim hat sie eingeladen: Jimmy Page (Led Zeppelin), The Edge (U2) und Jack White (The White Stripes) treffen sich in einem alten Lagerhaus, um zu reden, in Erinnerungen zu schwelgen und am Ende ganz klassisch miteinander zu jammen.

Formal kreist seine Doku um das Zusammentreffen der drei vermeintlichen Superegos, doch durch diverse Parallelmontagen lässt Guggenheim jeden einzelnen sein musikalisches Glaubensbekenntnis ablegen. Drei kleine Biopics also. Doch mit dieser Herangehensweise werden die Pessimisten beruhigt, die vielleicht bei diesem Aufeinandertreffen ein Kampf um Töne und Saiten vermutet hatten.

Als Glücksfall erweist sich im Verlauf, dass das Trio, so ungleich es sein mag, aus schweigsamen Typen besteht. Es ist nur ihre Gitarre, die sie laut macht. Und wenn die drei Genies am Ende zur gemeinsamen Improvisation ansetzen oder zu dritt Robbie Robertsons „The Weight“ interpretieren, dann entstehen wahrlich erhabene, Gänsehaut-Momente. Auch auf Nicht-Rock-Musikfans wird diese Faszination überspringen. Und mehr wollte Guggenheim mit seiner Dokumentation auch gar nicht erreichen.



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INHALT

Die Stratocaster und die Gibson Les Paul sind die wohl berühmtesten E-Gitarren. Sie haben die Musikwelt verändert. Regisseur Davis Guggenheim erklärt die Faszination der E-Gitarre und bietet Einblicke in den kreativen Kosmos dreier Gitarrenhelden, er begleitet sie an historische Stätten der Rockmusik und gibt ihnen die Gelegenheit, die Geschichte ihrer ganz persönlichen musikalischen Entwicklung zu erzählen. Jack White von den White Stripes baut eine Minimalversion: Er spannt einen Draht über ein Stück Holz, klemmt eine leere Colaflasche dazwischen und schließt sein Werk an einen Verstärker an. Jimmy Page zeigt stolz Teile seiner beeindruckenden Gitarrensammlung und erzählt wie "Stairway to Heaven" entstand. The Edge kramt in einer umfunktionierten Lagerhalle eine Original-Vierspulprobeaufnahme von "Where the Streets Have No Name" hervor.
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Eure Kritiken zu It Might Get Loud

  1. nina

    toll! auch wenn ich von musik nicht besonders viel verstehe, hat mich der film absolut mitgerissen! er geht unter die haut, inspiriert, beeindruckt!

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