KRITIK

Iron Man

Iron Man Jeder Superheld hat seinen wunden Punkt. Beim Iron Man ist es, wie romantisch, das Herz – und zwar gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen hat der Mann nach einer Explosion Granatsplitter im Körper zurückbehalten, die nur mit Hilfe eines brustimplantierten Mega-Magneten daran gehindert werden können, Richtung Vorhof zu wandern. Und zum zweiten droht ihm sein frisch entdecktes Mitgefühl für die Kriegsopfer dieser Welt zum Verhängnis zu werden, sein Herz für die Schwachen eben.

Was das betrifft, unterscheidet sich dieser Iron Man ja im Grunde nicht von Kollegen wie Superman, Spider-Man oder all den anderen, die da im Helden-Pantheon der Comic-Verfilmungen umherfliegen. In manch anderer Hinsicht schon, zumindest jetzt im Kino, und das macht diesen Blockbuster von Jon Favreau über weite Strecken so erfrischend.

Iron Man heißt bürgerlich Tony Stark, hat das Waffenimperium seines Vaters geerbt, ist Ingenieur-Genie, Rekord-Playboy und als Zyniker auch stolz auf all das. Doch als der Mann nach einer Waffen-Präsentation in Afghanistan in die Hände einer rauschebärtigen Taliban-Truppe gerät und miterleben muss, dass seine Produkte auch Böses anrichten können, setzt die Wandlung ein. Er will – zum Entsetzen seines Kompagnons Obadiah (ein herrlich sinistrer Jeff Bridges) – nach geglückter Flucht kein Kriegsgerät mehr produzieren, sondern investiert all seine Energie in die Fortentwicklung eines gepanzerten Raketenanzugs, mit dem er überschallschnell fliegen und als Iron Man Gutes tun kann.

Diese Läuterung erscheint zwar selbst im Comic-Kosmos ein bisschen geistesschlicht, aber wie Robert Downey Jr. in der Titelrolle sie spielt, macht trotzdem Spaß. Er verleiht diesem Selfmade-Helden eine grandios lässige Attitüde, und Favreaus Inszenierung setzt auch mehr auf Charisma als Materialschlacht.

Ob das allerdings auch Gnade bei jenen Hardcore-Comic-Fans findet, die jedes Film-Detail wochenlang in Internetforen diskutieren? Dazu hat Downey selbst die bestmögliche Antwort gegeben: „Man darf sich der Realität nicht verschließen, dass unser Globus von Leuten mit DSL-Standleitung beherrscht wird, die sich Online `nerdpenis9` nennen und alles besser wissen als hochbezahlte Profis.“



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INHALT

Mit der Fabrikation von Waffen im großen Stil hat es Tony Stark zum milliardenschweren Großindustriellen gebracht und gedenkt sich zur Ruhe zu setzen. Als ein Konkurrent ihn entführen lässt und den genialen Erfinder zwingt, eine zerstörerische Allzweckwaffe zu entwickeln, trickst Stark seine Kidnapper aus: Er kreiert eine eiserne Rüstung, die ihn unverwundbar macht. Dadurch entdeckt er eine globale Verschwörung, die nur er aufhalten kann.
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Eure Kritiken zu Iron Man

  1. Udo

    Eine der besten Comicverfilmungen seid langem. Großartige Darsteller, tolles Drehbuch, ein großer Spaß!

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