KRITIK

Invictus – Unbezwungen

Invictus - Unbezwungen Über Clint Eastwood ist bereits alles gesagt und geschrieben worden. Der Darsteller (über 60 Filme) und Regisseur (knapp 40 Filme) wird am 31. Mai 2010 80 Jahre alt. Dass der Kalifornier die Regie beherrscht und seine Schauspieler richtig zu führen weiß, ist nicht erst seit seinen Oscar-dekorierten Leistungen für “Erbarmungslos“ oder „Million Dollar Baby“ bekannt. Eastwood versteht es wie kein zweiter, seine Filme an einem einzigen Gefühl aufzuhängen. Er verzichtet, wo andere dekorieren. Seine Filme sind gradlinig, wie seine Songs, die er für seine Filme komponiert.

Die Idee, einen Film über Nelson Mandela zu machen, kam nicht von Clint Eastwood selbst. Sein Freund und Hauptdarsteller Morgan Freeman und dessen Produktionspartnerin Lori McCreary entwickelten, laut Presseheft zu „Invictus“, bereits seit Jahren einen Film über Nelson Mandela. Sie hatten versucht, Mandelas Autobiografie „A Long Walk to Freedom“ (Der lange Weg zur Freiheit) für das Kino zu bearbeiten, doch es erwies sich als unmöglich, seine gesamte Lebensgeschichte in einem Spielfilm unterzubringen. Erst als Journalist John Carlin Morgan Freeman seinen Buchentwurf „Playing the Enemy“ vorstelle, in dem es um die Rugby-Weltmeisterschaft ging, stieg auch Clint Eastwood in das Projekt mit ein.

Basierend auf der Vorlage musste Regisseur Clint Eastwood zwei unterschiedliche Genres miteinander verbinden: den Sportler- mit dem Politikerfilm. Nicht erst seit seinem immensen Erfolg mit dem Sportlerfilm „Million Dollar Baby“ tat er gut daran, aus „Invictus“ keine gewöhnliche Politikerbiographie zu machen. Die Schwierigkeit bestand für ihn aber darin, der Person Nelson Mandela, dem ersten schwarz südafrikanischen Präsidenten, gerecht zu werden, mit dem Wissen, nur eine kleine aber nicht unbedeutende Episode aus dem Leben des ANC-Führers zu erzählen.

Der herausragenden Leistung von Morgan Freeman, der im Original nicht nur das leise, bedächtige Afrikaans Mandelas perfekt beherrscht, sondern auch in Gestik und Haltung seinem Vorbild in fast fotographischer Genauigkeit nachkommt, ist es zu verdanken, dass Eastwood dem großen kleinen Mann Nelson Mandela auch filmisch gerecht wird. So konnte sich der Regisseur ganz auf den sportlichen Teil fokussieren. Fans des Rugby-Sports oder auch denjenigen, die noch nichts oder nur wenig über diesem Sport wissen, bleibt Eastwood jedoch viele Antworten schuldig. Nahezu kongruent mit der Leidenschaft, die auch Mandela für diesen Sport entwickelt, versucht zwar die wieder einmal herausragende Kamera von Tom Stern die Faszination des schnellen und harten Spiels einzufangen, der konsequente Verzicht aufs vermeintlich Überflüssige jedoch ist hier bis zum pathetischen und überraschungsarmen Ende ein großes Manko des Films.

Guten Sportfilmen wie Oliver Stones „Any given Sunday“ (1999), Aronofskys „The Wrestler“, selbst Eastwoods „Million Dollar Baby“ oder Stallones „Rocky“ gelingt es in den häufigsten Fällen, den Zuschauern die Faszination für die merkwürdigsten Körperertüchtigungen zu vermitteln, Eastwood hingegen verwehrt uns selbst die simpelsten Grundlagen des Spiels.



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INHALT

Südafrika 1995: Der gerade zum Präsidenten gewählte Nelson Mandela sieht den Kampf gegen die Nachwehen der Apartheid als sein höchstes Ziel an. Gerade den Sport begreift er als große Chance, das noch immer geteilte Volk zusammenzubringen. So unterstützt er mit allen Mitteln die in Südafrika stattfindende Rugby-WM und die südafrikanische Mannschaft mit ihrem weißen Kapitän Francois Pienaar. Sein Auftrag: Das Team soll die Weltmeisterschaft gewinnen.
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Eure Kritiken zu Invictus – Unbezwungen

  1. nina

    sehenswert?

    Ich bin gespannt auf den Film, hab ihn noch nicht gesehen.

    2 Oscarnominierungen hat er bereits, die Erwartungen sind hoch.

    Bin mir nicht sicher, ob es – so wie ihr es wünscht – tatsächlich so sehr auf die Darstellung der Sportart ankommt, und nicht vielmehr um die Person Nelson Mandela.

    Wie gesagt, bin gespannt!

  2. RobbyTobby

    Es ist nicht der beste Clint Eastwood Film aber es ist ein guter Film. Atnosphärisch mal wieder sehr gelungen und auch schauspielerisch überzeugend. Vor allem Margan Freeman brilliert hier als Nelson Mandela. Ein guter Film, der sich lohnt.

  3. FrankSchulz

    Mal wieder ist Clint Eastwood ein Meisterwerk gelungen. Hier geht es nicht um Rugby, sondern um das Land Südafrika und den Menschen Nelson Mandela. Ein durch Morgan Freeman toll gespielten Mandela sehr beeindruckender Film.

  4. Cinephiler

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