KRITIK

Into The Woods

Bild (c) 2015 Walt Disney Motion Picture.

Bild (c) 2015 Walt Disney Motion Picture.

Als Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“ 1987 am Broadway uraufgeführt wurde, war die Idee noch neu: traditionelle Märchen durch den Ironie-Mixer der Postmoderne zu jagen und als sangesfreudige Veräppelungsmelange auf die Bühne zu bringen. Knapp 30 Jahre später sieht das deutlich anders aus. Zeiten ändern sich. Nach den „Shrek“-Filmen und erfolgreichen Witz-Musicals wie „Spamalot“ ist selbst Disney frech geworden: Das Märchen von Rapunzel kann man nach dem Kassenhit „Voll verföhnt“ jedenfalls nicht mehr so ernst nehmen wie zuvor. Insofern kommt die stargespickte Verfilmung von „Into the Woods“ mindestens ein Jahrzehnt zu spät. Was nicht heißt, dass sie nicht trotzdem Laune macht – zumindest phasenweise.

Regisseur Rob Marshall, der mit „Chicago“ anno 2002 eine kleine und bis heute anhaltende Musical-Renaissance einläutete, braucht sich diesmal um ausgefuchste Choreografien nicht zu scheren (es gibt nämlich keine) und kann sich ganz darauf konzentrieren, diverse Stars in drolligen Märchenkulissen zu arrangieren. Als Rahmenhandlung dient der Disney-Produktion ein kinderloses Bäckerpaar (Emily Blunt aus „Edge of Tomorrow“ und James Corden aus „One Chance“), das sich von einer bösen Hexe (Meryl Streep, mal wieder oscarnominiert) einen Fruchtbarkeitszauber verspricht, sofern es für die Zottelhaarige eine Reihe symbolischer Gegenstände zusammenträgt. Dabei begegnen sie in den titelgebenden Zauberwäldern allerlei Gestalten aus (nicht nur) Grimms Märchen: Aschenputtel (Anna Kendrick, „Pitch Perfect“), Rotkäppchen und dem Wolf (Johnny Depp), Rapunzel sowie Hans mit der Bohnenranke.

Szene_Into-The-Woods_webVerglichen mit dem mitunter ungewöhnlich unziemlichen Musical (Songtexte: James Lapine) wurden die sexuellen Anzüglichkeiten deutlich geglättet: So darf der Wolf das minderjährige Rotkäppchen nicht mehr ganz so lüstern angrollen, und auch Aschenputtels Prinz (Chris „Captain Kirk“ Pine) flirtet nach der Hochzeit nicht mehr ganz so offensiv mit der Bäckergattin. Das Spiel mit den Märchenmotiven vermag eingangs nach wie vor zu amüsieren, auch für die Sangeskünste der Stars gilt dies. Später, als sich die Geschichte recht abrupt ins Dramatische wendet, gerät das Singspiel jedoch ins Stocken: Was ungewöhnlich enden soll, kommt eher zäh daher.

 

 

 



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