KRITIK

Inside Man

Inside Man
Die Filmgeschichte ist reich an perfekten Verbrechen, man kann sich also schwer vorstellen, dass ausgerechnet Spike Lee dem Genre der „Heist Movies“, der Geschichten vom genialen Coup, eine originelle Variante hinzuzufügen hätte. Es ist aber so. Lee, der als Black Panther der Independent-Szene mit Werken wie „Do the Right Thing“ begonnen hat, schickt hier ein Gangster-Quartett unter Führung von Clive Owen in eine Manhattaner Bank, wo, erste ziemlich ausgefuchste Finte, die Geiseln gezwungen werden, sich wie die Räuber zu kleiden.

Im weiteren Verlauf der tatsächlich brillanten Story, die unter anderem Denzel Washington als zwielichtigen Cop und Jodie Foster als undurchsichtige Strippenzieherin auf den Plan ruft, stellt sich heraus, dass es gar nicht ums Geld geht. Und damit ist Spike Lee dann unversehens in seinem Element.

Selbstverständlich lässt er auch das New York der Gegenwart wieder eine Rolle spielen. In „25 Stunden“ zeigte der „Malcolm X“-Regisseur als erster die klaffende Wunde, die der 11. September in die Stadt gerissen hatte, und er gab dem hitzigen Trotz ein Gesicht, die Idee des pulsierenden, dreckigen, multikulturellen Big Apple gegen den Terror zu verteidigen. Hier nun ist die Atmosphäre auf alltägliche Paranoia abgekühlt. Wenn die Geiseln schließlich in ihren Overalls ins Freie geschickt werden, beschießen die Polizisten sie ohne Vorwarnung mit Gummigeschossen, einem Inder reißen sie den Turban vom Kopf und beschimpfen ihn als Araber. Keine Zeit für Feinheiten. Verhören lassen müssen sich die Geiseln alle, verdächtig erscheint jeder.

Ob es Zufall ist, dass diese dummdreisten Vernehmungen wie jene grausam-absurden Tribunalprotokolle aus Guantanamo klingen, die jüngst veröffentlich werden mussten? Nicht gewusst jedenfalls haben Spike Lee und seine beiden Drehbuchautoren nach eigenem Bekunden, dass der von Christopher Plummer gespielte Bankchef Ähnlichkeiten mit Prescott Bush hat, dem Großvater des amtierenden Präsidenten der USA, der als Anteilseigner einer Bank Geschäfte mit den Nazis machte. Überrascht hat es sie allerdings nicht, nur gefreut, denn es untermauert ihre These, dass zu jeder Führungsetage auch ein Leichenkeller gehört. Umso befremdender allerdings wirkt das Märchen von Moral und Gerechtigkeit, das Spike Lee am Ende seines großartigen Räuberfilms auftischt.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Als Detective Frazier einen Bankraub mit Geiselnahme möglichst unblutig beenden soll, glaubt er an einen Routineeinsatz. Doch der Anführer der Gangster kontrolliert die Situation mit den gleichen Mitteln, die Frazier zu seiner Überlistung einsetzt: mit Ruhe und Verstand. So entwickelt sich ein Kopfduell, das noch undurchschaubarer wird, als eine Frau im Auftrag des Bankbesitzers den Geiselnehmer kontaktiert.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Inside Man

  1. Damir

    Das Drehbuch lässt den Darstellern zwar nicht den Raum für wirkliche Tiefe, die Story an sich ist aber spannend und schlüssig, so daß man über zwei Stunden äusserst gut unterhalten wird. Des Regisseurs Lieblingsthemen Politik und Rassismus werden zwar das eine oder andere mal als verbale Spitze eingestreut, aber wer einen typischen Spike Lee Joint erwartet sollte die Finger von „Inside Man“ lassen.

  2. Minweis

    Ich war sehr enttäuscht. Der Film war überhaupt nicht spannend, stattdessen triefte er vorallem in der ersten Hälfte vor Klischeees und doofen Sprüchen. Manchmal kam ich mich vor wie bei Bruckheimer. Und eine richtige Überraschung gibt es auch nicht zum Schluß, die letzte halbe Stunde ist viel zu lang und wirkt sehr konstruiert.

  3. Amenabar

    Gleich vorweg, für mich der beste Bankraubeinfall in einem Kinofilm. Leider macht der Film aber etwas zu wenig daraus. Während der Bankraub von Anfang an Spannung aufbaut, so enttäuscht das Ende durch unnötige Längen anstatt sich auf den eigentlichen Bankraub zu konzentrieren. Auch die Hauptcharakter haben bestimmt schon alle anspruchsvollere Rollen gespielt, aber trotzdem enttäuscht der Film in dieser Hinsicht nicht, da Spike Lee seinen typischen Wortwitz in die Wortgefechte einbaut. Deshalb für mich ein sehenswert, aufgrund des zu komplex gemachten Filmendes aber mit Tendenz zum Durchschnitt.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*