KRITIK

Inside Llewyn Davis

Plakat zum Film Inside Llewyn Davis Studiocanal Film

Bild (c) Studiocanal Filmverleih

Verprügelt liegt Llewyn Davis im Hinterhof einer Musikkneipe im Greenwich Village. Kurz zuvor saß er noch auf deren Bühne und trug dem Publikum seine Lieder vor. Dann aber sieht man, ganz kurz nur, wer sich nach ihm vors Publikum setzte: Es ist Bob Dylan, gerade 19 Jahre jung im Winter 1961. Eine Gewinnergeschichte könnte jetzt beginnen, über den Mann, der Anfang der sechziger Jahre die Folk-Musik popularisierte und damit weltberühmt wurde. Doch „Inside Llewyn Davis“, in Cannes prämiert mit dem Großen Preis der Jury, ist der neue Film der Coen-Brüder – und deren Augenmerk lag schon immer eher auf den weniger Begünstigten unter den Künstlermenschen (und Menschenkünstlern), ganz egal, welches Genre sie gerade „be-ackerten“.

Llewyn Davis´ fiktive Existenz lehnt sich lose an die von Dave van Ronk an, einem vergessenen Singer-Songwriter, der Dylan-ähnlichen Folk in Dylan-ähnlicher Umgebung machte, allerdings ohne Dylan-ähnlichen Erfolg. Im Film driftet Llewyn, grandios unwirsch gespielt, geklampft und gesungen von Newcomer Oscar Isaac, obdachlos durch ein in fahlen Farben inszeniertes New York. Abends spielt er in Spelunken, im Anschluss beginnt regelmäßig die Suche nach einer Couch zum Übernachten. Bei Musiker-Freund Jim (Jus­tin Timberlake) zum Beispiel, dessen Freundin Jean (toll: Carey Mulligan aus „Drive“ und „Shame“) er allerdings unlängst schwängerte.

Der Film folgt Llewyn nur ein paar Tage lang – das reicht den Coens, ihn mit mitfühlendem Sarkasmus auf eine groteske Tour der Leiden zu schicken. Nicht nur muss der Musiker unentwegt eine Katze durch die Stadt tragen (weil er sie und sich aus der Wohnung eines Gönners aussperrte). Er muss sich auch immerfort beschimpfen und kritisieren lassen, vor allem von Jean, aber auch von einem dicken, heroinsüchtigen Jazzmusiker, den John Goodman mit beängstigender Topffrisur verkörpert, und von einem Chicagoer Produzenten (F. Murray Abraham), der ihm alle Entertainer-Qualitäten abspricht.

Weil Oscar Isaac die Titelrolle so mutig an der Grenze zum Unsympathen anlegt, läuft dieses Coen-Meisterwerk niemals Gefahr, ins Sentimentale abzugleiten. Man fiebert trotzdem mit – mit diesem Sänger, der das Pech hat, nur Llewyn zu sein und nicht Bob. Herausragend.

 




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INHALT

New York, 1961. Was macht ein erfolgloser New Yorker Musiker ohne ein Zuhause? Was passiert, wenn er fast jede Nacht auf einer anderen Couch schläft und dabei mal die Frau eines Freundes schwängert und mal die geliebte Katze eines anderen aussperrt? Und was, wenn er diese Katze dann einfach nicht mehr los wird? Llewyn Davis (Oscar Isaac) lebt für die Folkmusik, doch der große Durchbruch lässt auf sich warten. Während sich in den Clubs von Greenwich Village aufstrebende Musiker die Klinke in die Hand geben, pendelt Llewyn zwischen kleinen Gigs und Songaufnahmen. Nacht für Nacht sucht er einen neuen Platz zum Schlafen und landet dann meist bei befreundeten Musikern wie Jim (Justin Timberlake) und Jane (Carey Mulligan), mit denen ihn mehr als eine oberflächliche Freundschaft verbindet. Doch Llewyn kann seine Gefühle nur in der Musik und nicht im echten Leben äußern, und so lässt er sich weitertreiben – von New York bis Chicago und wieder zurück, ganz wie die Figuren in den Folksongs. (Text: Studiocanal Filmverleih)
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Eure Kritiken zu Inside Llewyn Davis

  1. Tine

    Eine runde Sache, tolles Drehbuch, schöne Musik, wunderschöne Bilder, grossartige Darsteller … Pflichttermin.

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