KRITIK

Inside Hollywood

Inside Hollywood Ben (Robert De Niro) ist einer der erfolgreichsten Filmproduzenten Hollywoods. Die besten Jahre hat er bereits hinter sich und seine Karriere gerät allmählich ins Stocken. Der drogenabhängige und querdenkende Regisseur (Michael Wincott) des von Ben produzierten Films „Fiercely“ will partout sein Filmende nicht nach den Forderungen des Studios umschneiden – selbst nachdem sein Film bei einer Testvorführung vom Publikum mit blankem Hohn und Spott gestraft wird. Als ob dies nicht genug wäre, weigert sich Bruce Willis, Star eines von Ben produzierten, kurz vor Dreh befindlichen Films, standhaft, seinen weihnachtsmannähnlichen Bart abzurasieren. Selbst Drohungen des Studios, die Produktion zu canceln, scheinen Bruce nicht von seiner Meinung abzubringen. Zu allem Überfluss muss sich Ben ganz nebenbei auch noch mit seiner geschiedenen Ehefrau Kelly (Robin Wright Penn) sowie seiner überreifen siebzehnjährigen Tochter Zoe (Kristen Stewart) herumschlagen.

Schon 1997 wagte sich Regisseur Barry Levinson mit „Wag The Dog“ an eine beißende Mediensatire. Was ihm damals vorzüglich gelang, satirisch bissige Spitzen zu setzen, wird bei „Inside Hollywood“ eher durch gewöhnlichen, leider selten medienkritischen Humor ersetzt. Dies ist sowohl schade als auch merkwürdig, da die literarische Vorlage „What Just Happened? Bitter Hollywood Tales From The Front Line“ von Filmproduzent Art Linson eben genau solche satirischen Spitzen bietet. Das Problem liegt hier unverkennbar am weichgespülten Drehbuch, das kurioserweise von Autor Art Linson selbst verfasst wurde.

Linson reduziert die Geschichte auf eine geradlinige Komödie, die selbstverständlich einige großartige komische Momente bietet, jedoch nie wirklich aus der Masse hollywoodüblicher Komödien heraus sticht. Wenn Michael Wincott als unverstandener Regisseur vor Wut über die Forderungen des Studios weinend zusammenbricht oder Bruce Willis aufgrund der Rasurvorgabe seine Garderobe in einer fulminant gespielten Szene zu Kleinholz verarbeitet, bleibt zwar kein Auge trocken. Doch außer solch großartiger Einzelszenen bietet der Film relativ wenig Humoristisches oder gar bissig satirisches Potential. Spätestens wenn der von John Turturro dargestellte Hollywoodagent Dick Bell auf äußerst unästhetische, ja fast enervierende Weise seine Magenprobleme präsentiert, bewegt sich der Film auf der Grenze zum komödiantischen Bodensatz.

Im Gegensatz dazu muss aber auch erwähnt werden, dass es der Drehbuchautor durchaus verstand, seinen Protagonisten Ben in tiefgehender, einfühlsamer Weise als beruflich und privat ausgebrannten, vom System verschlungenen Filmproduzenten, darzustellen. In jedem Moment ist klar, dass er wohl kurz vor dem Ende seiner ehemals großen Karriere steht. Doch auch in Bens Portrait schleichen sich einige schwache Momente ein, welche ausnahmslos in seiner Charakterzeichnung als Privatmensch liegen. Als er entdeckt, dass seine siebzehnjährige Tochter Zoe eine sexuelle Beziehung zu einem um einiges älteren, kürzlich verstorbenen Agenten pflegte, kommt es zu einer kurzen, wenig aussagekräftigen Aussprache zwischen beiden. Dennoch wirkt die ganze Beziehung zwischen Zoe und Ben ungewollt oberflächlich – der Charakter Zoe ist so für die Handlung schier irrelevant.

Ähnlich verhält es sich mit Bens erster Ehefrau, sowie mit seinen beiden Kindern aus zweiter Ehe. Allesamt werden sie nur kurz eingeführt, ohne dass zu irgendeinem Zeitpunkt noch mal Bezug auf sie genommen wird. Lediglich die zweite Ehefrau Kelly ist in dieser Hinsicht als wichtiger Charakter einzustufen. Sie ist der einzige Grund, warum es überhaupt ein zeigenswertes Privatleben von Ben gibt.

Auf beruflichen Schauplätzen ist das Drehbuch zum größten Teil schlüssig, wenn auch für eine vermeintliche Mediensatire nicht bissig genug. Die zahlreichen Nebencharaktere haben allesamt Charme und brillieren durch humorvolle Eigenheiten. Insgesamt ist es größtenteils den guten bis hervorragenden schauspielerischen Leistungen zu verdanken, dass sich der Film im Mittelfeld gängiger Hollywood-Komödien locker behaupten kann. Vor allem Bruce Willis, Michael Wincott, Robin Wright Penn und Hauptdarsteller Robert De Niro stechen aus dem Ensemble heraus. Auch der restliche Cast überzeugt. Die Kurzauftritte von Sean Penn, der sich – genau wie Bruce Willis – selbst spielt, sind amüsant, wenn auch nicht sonderlich herausstechend.

Auch auf technischer Seite bietet der Film konventionellen Durchschnitt. Die wackelige Kamera illustriert durchweg die Ruhelosigkeit der Hauptfigur und wohl des gesamten Filmbusiness. Außergewöhnliche Regie- oder Kameraeinfälle sind leider kaum zu entdecken. Einzig herausstechend sind einige Zeitraffersequenzen, die dem Zuschauer jedoch meist recht ungeschickt aufgezwungen werden. Sie wirken eher störend als förderlich. Positiv ist der Umgang mit der Filmmusik zu vermerken.

Als Resümee lässt sich festhalten, dass der Film zu wenig bissig ist für eine Satire. Barry Levinsons „Inside Hollywood“ ist lediglich eine Komödie, die es im Großen und Ganzen nicht schafft, sich aus dem filmischen Mittelfeld gängiger Hollywood-Komödien herauszuheben. Immerhin die darstellerischen Leistungen des namhaften Casts rechtfertigen das Anschauen.



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INHALT

Produzent Ben hat es nicht leicht. Auf Druck des Studios muss er seinen heftig verrissenen Actionfilm "Fiercely" mit Sean Penn rechtzeitig für die Eröffnung des Festival de Cannes umschneiden, um zu retten, was zu retten ist. Gleichzeitig macht ihm ein arroganter Superstar das Leben schwer, der sich bei den Vorbereitungen auf seine neue Rolle querstellt. Und außerdem bereitet Bens flügge gewordene Tochter Schwierigkeiten.
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