KRITIK

Insel der besonderen Kinder, Die

Bild (c) 20th Century Fox Germany.

Bild (c) 20th Century Fox Germany.

Ganz ehrlich, wer wäre nicht gern Schüler in der Klasse von Miss Peregrine? Die fürsogliche Lehrerin ist nicht nur äußerst attraktiv, sie tritt zudem jeden Tag mit der genau richtigen Mischung aus Härte und Zuneigung vor ihre Schüler. Jedoch ist dies keine leichte Aufgabe für Miss Peregrine (Eva Green), denn ihre Schülerinnen und Schüler sind alles andere als „normale Kinder“. Ein weiterer Grund also, liebend gern Mitglied dieser Klasse zu sein. Oder noch zu werden. Denn bei Miss Peregrines „Peculiar Children“ (so der Originaltitel) handelt es sich um Kinder mit speziellen Talenten: Darunter ist beispielsweise ein kleines Mädchen, das stärker ist als Obelix, ein Junge, der komplett unsichtbar ist, oder ein weiterer Junge, der einen Filmprojektor in seinen Augen hat. Klar, dass diese „besonderen Kinder“ nicht nur eine besondere Lehrerin brauchen sondern auch besonderen Schutz. Und dafür gibt es die Ymbrynes – das sind Lehrerinnen, die sich bei Bedarf in Vögel verwandeln und für ihre Schützlinge Zeitschleifen einrichten können, in denen niemand älter wird.

Auch Abraham `Abe´ Portman (Terence Stamp) war einst ein Schüler in der Klasse von Miss Peregrine. Er hatte jedoch eines Tages urplötzlich die Schule verlassen und war auf Reisen gegangen, um die Aufenthaltsorte der unsichtbaren Hollows ausfindig zu machen – böse Wesen, die den besonderen Kindern nach dem Leben trachten. Mit mäßigem Erfolg allerdings. Und das liegt nun schon viele Jahrzehnte zurück. Heute ist Abraham Portman weit über 80 Jahre alt. Seinem Enkel Jacob hatte Abe immer wieder Geschichten über Miss Peregrine und ihre „Peculiar Children“ erzählt. Sehr zum Missfallen seines Sohnes Franklin (Chris O´Dowd), der bis heute kein gutes Haar an seinem Vater lässt. Kein Wunder, war letzterer doch äußerst selten zu Hause gewesen.

Szene_Insel-der-besonderen-kinderWie in so vielen Geschichten mit fantastischen Talenten („E.T.“, „Super 8„, „Terminator 2“) zuvor steigt auch Tim Burton mit seiner nunmehr achtzehnten Regiearbeit im schnöden Alltag seines Protagonisten ein. Jacob `Jake` Portman (Asa Butterfield) ist ein unkonzentrierter Schüler, der in seiner Freizeit Regale im örtlichen Supermarkt auffüllt. Als Jake eines Tages einen verzweifelten Anruf von seinem geliebten Opa erhält, er möge sofort zu ihm kommen, ist er bei der Ankunft bereits zu spät: Großvater Abe liegt tot im Garten, ermordert, mit seltsam leeren Augenhöhlen.

Jacob meint, ein großes Monster mit langen Beinen gesehen zu haben. Doch für seine verzweifelten Eltern ist dies ein weiterer Beweis für die zahlreichen Ausflüge ihres Sohnes in abstruse Fantasiewelten, die ihm allein Großvater Abe in den Kopf gesetzt haben konnte. Mit dem Erbe erhält Jake jedoch weitere Anzeichen, dass an den Geschichten seines Großvaters irgendetwas dran sein muss. Also macht er sich mit seinem ungläubigen Vater auf den Weg nach Irland, um dem Wahrheitsgehalt über Miss Peregrine und ihren besonderen Schülern auf den Grund zu gehen. Mit weitreichenden Folgen.

Szene_Insel_besondere_Kinder_2Strenge, schöne Lehrerin, außergwöhnliche Kinder mit besonderen Begabungen, geheimnisumrangt: Wer hätte dieses Destilat aus den Geschichten von Ransom Riggs besser umsetzen können als der Routinier des Abwegigen, Tim Burton? Wohl nur wenige. Wenn überhaupt. Nach seinen eher enttäuschenden Filmen „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ (als Produzent) und „Big Eyes“ (Regie + Produtkion) sowie privaten Problemen (Scheidung von Helena Bonham Carter, mit der Tim Burton zwei gemeinsame Kinder hat), schaltet der knapp 60-jährige Kalifornier nun in „Die Insel der besonderen Kinder“ bewusst zwei Gänge zurück. Was nicht heißt, dass der Film langweilt. Ganz im Gegenteil. Mit flinkeren Stimmungswechseln, stimmigeren Figuren und stabileren Witzen, als ihm seit Jahren eingefallen sind, dürfte „Miss Peregrine´s Home for Peculiar Children“, wie der Film viel treffender im Original heißt, selbst Burton-Hassern gefallen.

Nicht zuletzt Eva Green in der titelgebende Rolle der Miss Peregrine trägt einen großen Anteil am Gelingen des Films. So souverän wie ihre besonderen Kinder ihrer Klasse scheint die Französin auch Tim Burton während der Dreharbeiten an der kurzen Leine geführt zu haben. Selbst die gewohnt hysterisch übersteuerten Burton-Effekte parieren diesmal dem Gesamterzeugnis, statt, wozu sie bei dem Kalifornier immer wieder neigen, das Erzählen wie ein zielloser Bombenhagel zu zerstören. Ohne seine Lieblingsschauspieler Johnny Depp und Helena Bonham Carter wirkt Burton wie frisch beseelt. Seine hervorragenden Kinder-Darsteller, allen voran (anscheinend von Martin Scorsese zum Diamant geschliffen („Hugo Cabret„)) Asa Butterfield als Jake Portman, danken es ihm mit viel Spielfreude und angenehmer Zurückhaltung. Und dann wäre da ja noch Eva Green.

 

Kritikerspiegel Die Insel der besonderen Kinder



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


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Eure Kritiken zu Insel der besonderen Kinder, Die

  1. Alicia Holenway

    Einfach ein super Film , kommt dem Buch sehr nahe. 🙂

    Ist mit Rubinrot , Silber , Twilight , Seelen und the Hunger games zu vergleichen.

    Wenn ihr also auf Fantasy steht {so wie ich} dann ist das genau das richtige für euch!

    Viele Grüße ,
    Alicia Holenway .

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