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In Zeiten des abnehmenden Lichts

Eugen Ruges mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneter Debütroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ deckt vier Generationen einer Familie ab, in deren Wohl und Wehe sich die Geschichte der DDR spiegelt. Man hätte aus dem autobiografisch grundierten „Roman einer Familie“ einen Fernseh-Mehrteiler im Stil der Saga um die Hoteliersfamilie „Adlon“ machen können. Doch TV-Routinier Matti Geschonneck („Das Zeugenhaus“) hat sich mit Drehbuch-Maestro Wolfgang Kohlhaase („Sommer vorm Balkon“) etwas anderes einfallen lassen: Sie konzentrieren sich strikt auf das zentrale Ereignis des Romans, den 90. Geburtstag des betonkommunistischen Patriarchen Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) im Oktober 1989, als selbst die Verblendetsten nicht mehr übersehen konnten, wie die Kulissen des real existierenden Sozialismus einstürzten.

Am Tag des Fests schneien die Gratulanten in die Berliner Bonzen-Villa des Parteifunktionärs: singende Pioniere, SED-Granden und Brigadisten. Powileit wird von seiner Frau gehasst, er selbst verachtet seinen Stiefsohn Kurt, der jahrelang in sowjetischen Gefangenenlagern saß und trotzdem nie mit dem Stalinisten Wilhelm brach. Der geliebte Enkel Sascha (Alexander Fehling) indes fehlt: Er ging rüber in den Westen – die größte Demütigung für den greisen Jubilar.

In zwei Fallen tappt der Film nicht: Weder verklärt er den moribunden DDR-Sozialismus noch macht er sich lustig über die Menschen, die an diese Utopie glaubten. Gerade an der Figur des Kurt (vorzüglich gespielt von Sylvester Groth) lässt sich die facettenreiche emotionale Gemengelage ablesen: Euphorie, Skepsis und Resignation.

Leider krankt der Ensemblefilm an den üblichen Malaisen des deutschen Zeitgeschichtsfilmwesens, dem ein auf Authentizität gebürsteter Ausstattungsfetischismus stets wichtiger ist als eine eigene, auch eigenwillige Haltung. Die Bitterkeit des Ruge-Romans bleibt komplett außen vor, was schon mit Bruno Ganz anfängt, dessen mürrischem Kauz Wilhelm man den harschen Beton-Ideologen nie abnimmt. Stattdessen weht eine allzeit gut verträgliche Augenzwinker-Melancholie durch die Bilder: Tschechow light im DDR-Museum.

 

 

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