KRITIK

In der Welt habt ihr Angst

In der Welt habt ihr Angst Hans W. Geißendörfer, der bei „In der Welt habt ihr Angst“ nicht nur Regie führte, sondern auch sein eigenes Drehbuch verfilmte, erzählt eine stimmungsvolle, ruhige Liebesgeschichte zwischen zwei heroinabhängigen Menschen, der Studentin Eva (Anna Maria Mühe) und dem Musiker Jo (Max von Thun). Der mittlerweile knapp 70jährige Regisseur und Erfinder der ARD-Lindenstraße kann sich hier ganz auf das mitreißende Spiel seiner Hauptakteure verlassen. Obwohl es um die Abgründe eines Drogenentzugs geht, spielen Drogen eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es in diesem ruhigen Melodram um Vertrauen und die Liebe mit all ihren Facetten.

Für die passende Stimmung sorgen die behutsamen und ehrlichen Dialoge, hauptsächlich aber wird sie durch die hervorragende klassische Musik vermittelt. Die Querverweise zur Klassik finden sich nicht nur im Titel wieder (eine Arie aus der Bach-Kantate Nr. 48), sondern auch in den Bindegliedern zwischen sämtlichen Protagonisten. Denn trotz des schweren Sujets, wird dieses durch die versöhnende Kraft der Musik und der Hoffnung abgemildert.

Leider ist am Ende jedoch die Musik das Eindringlichste des ganzen Filmes, denn das durchaus schöne Motiv der alles überwindenden Liebe bekommt durch die zum Teil holprige Dramaturgie und unpassend komischen Situationen zwischen Eva und dem väterlichen Lehrer Paul (großartig verkörpert von Axel Prahl) zahlreich Kratzer.

Und mehr noch. Das größte Problem des Filmes ist, dass Hans W. Geißendörfer zu viele Themen in diesem Drama untergebracht hat. Nicht nur Liebe und Drogen, sondern auch Eifersucht, eine zerstörte Vater-Tochter-Beziehung, eine außereheliche Affäre und ein Gefängnisausbruch lassen „In der Welt habt ihr Angst“ viel zu überladen wirken. Das ist ein Jammer, denn die Liebesgeschichte alleine bot schon reichlich Stoff und wäre ohne die zahlreichen Nebenstränge sicher um einiges eindrucksvoller gewesen. Die Momente, in denen sich Jo und Eva, obwohl getrennt voneinander, nur durch die Kraft der Musik miteinander verbunden fühlen und sich verständigen, sind wirklich wunderbar. Schade um das verschenkte Potenzial.



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INHALT

Die Musikstudentin Eva hat sich unsterblich in den Musiker Jo verliebt. Die beiden brennen leidenschaftlich füreinander und entdecken, dass sie ohne Hilfsmittel auch über weite Entfernung miteinander kommunizieren können. Ihre Liebe ist so groß, dass Eva ihrem Freund sogar in die Heroinsucht folgt. Doch damit muss Schluss sein: Eva wird schwanger, und die beiden planen den kalten Entzug in der Abgeschiedenheit Neuseeland. Um an das nötige Geld zu kommen begeht das Paar einen Überfall, der jedoch gründlich schiefgeht.
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