KRITIK

Immortal

Immortal
Auch Götter kennen irdischen Nöte. Der altägyptische Pyramiden-Regent Horus, ein beschürzter Muskelprotz mit Raubvogelkopf, droht seine Unsterblichkeit zu verlieren, weswegen er mit menschlicher Hilfe dringend ein Kind zeugen muss. Das Problem ist nur, dass es im Jahre 2095 nicht mehr viele echte Menschen gibt, die dem potenten Gott als Wirtskörper dienen könnten. Im apokalyptischen New Yorker Moloch dieser Zeit, dominiert von den Umtrieben des Bio-Konzerns Eugenics, besitzen fast alle Bewohner künstliche Organe, nicht wenige sind vollständig im Labor erschaffen.

Im Sträfling Nikopol (Thomas Kretschmann) aber, der nach 20 Jahren Kälteschlaf aus seinem Hochsicherheitsgefängnis im Smoghimmel fällt, findet Horus doch noch seinen Mann. Als Göttermutter wählt er sich die ätherische Weltenwandlerin Jill (Linda Hardy), die er sich gewaltsam zu nehmen gedenkt.

Der Comic-Zeichner Enik Bilal hat hier eine seiner eigenen Geschichten auf die Leinwand gebracht und sich ein visuell berauschendes Computer-Universum geschaffen, in dem, ähnlich wie in Kerry Conrans „Sky Captain and the World of Tomorrow“, ein paar wenige Schauspieler mit Kunst-Kollegen vor komplett digital generierter Kulisse agieren. Neben Kretschmann, der als unfreiwilliger Vergewaltiger zumeist mit müdem Blick durch die finstere Megalopolis stapft, und dem französischen Model Linda Hardy, die immerhin hübsche blaue Tränen weinen darf, spielt da die große Charlotte Rampling eine Neo-Noir-Detektivin, die einer Mordserie nachspürt, hinter der tatsächlich die Körpersuche des getriebenen Horus steht.

Zwar vermag diese von der griechischen Mythologie inspirierte Geschichte eines menschengeilen Gottes nicht sonderlich zu fesseln, aber die aus „Blade Runner“, „Das fünfte Element“ und „Minority Report“ gemischte Sciencefiction-Ästhetik schlägt allemal in den Bann.



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INHALT

Um seine Unsterblichkeit zu sichern, muss Horus, der falkenköpfige Gott, einmal quer durchs Universum reisen, in die Gestalt eines Erdenwurms schlüpfen und die Vereinigung suchen mit einer blauhaarigen Mutantenfee namens Jill. Die ist das Versuchskaninchen einer undurchsichtigen Professorin. Nicht zuletzt, weil Horus sich für seine Menschwerdung ausgerechnet den Körper des seit dreißig Jahren im Weltall konservierten Staatsfeindes Nikopol aussucht, kommt es dabei zu allerhand Turbulenzen.
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Eure Kritiken zu Immortal

  1. Chazman

    Erst muss man sich an die Umgebung gewöhnen. Dann an die Geschichte und schließlich ist man fasziniert. Ein irgendwie cooler Film.

  2. Twickers

    Effekte vs StoryDer Trailer und die Plakate machen einen hungrig auf die Schauplätze. Die Beschreibung weckt Neugier auf die Charaktere. Das Ansehen ist ein ernüchterndes Erwachen.

    Vielleicht ist dies ein Film, bei dem weniger einfach mehr gewesen wäre. Weniger Charaktere aus dem Computer z.B. Wir bekommen komplette Darsteller, ganz künstliche Charaktere und einige Mischwesen – doch was vielleicht ein Ansatzpunkt sein könnte um die Welt von Immortal in ein Schlachtfeld der Fragen nach Genetik und Menschlichkeit zu machen, eine Optik, die den Hintergrund für Fragen nach Existenz und Bewußtsein gibt, bleibt leider nur Selbstzweck. Die Krone der Lächerlichkeit ist dann ein Gegenspieler in rot (ihn hier zu beschreiben würde dem Film jegliche Restwürde rauben).

    Doch unter den z.T. ja doch sehr schönen Bildern gibt es ja noch den Aspekt der gezählten Geschichte. Und diese verliert sich leider in philosophischen Nichtigkeiten, weil die Charaktertiefe nur angedeutet wird, nicht aber in letzter Konsequenz durchgezogen wird. Zu Beginn gibt es Mysterien über Großkonzerne und Mordfälle, aber dann paßt das wohl nicht mehr ins mythologische Konzept und verläuft sich im Nichts.

    Es gibt einige wirklich wunderschöne Szenen und wenn überhaupt lohnt sich der Film wegen der Optik, aber es bleibt ein fader Nachgeschmack. Doch das stört auch nicht die Götter in ihrer Pyramide, die lieber Monopoly

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