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Okt 2013
08
Im Wettbewerb 15. Filmfestival Münster 2013 – „Kaptn Oskar“ von Tom Lass

Plakat zum Film Kaptn OskarSie ist ja wohl der Knaller“ frohlockt meine Frau begeistert, als Martina Schöne-Radunski als „Alex“ zum zweiten Mal auftaucht. Zuvor hatte die Darstellerin in der allerersten Szene des Films die Wohnung ihres Ex-Freunds abgefackelt. „Ich wollte nur mal schauen, wie es Dir so geht?“ fragt Alex, bewaffnet mit einem unwiderstehlichen Unschuldslächeln, als sie bei Oskar, ihrem frischgebackenen Ex-Freund, an die Scheibe der neuen Kellerwohnung klopft. Damit dürfte die Nebendarstellerin auch die Sympathien der letzten Zweifler auf ihrer Seite haben. Mit reichlich Vorschusslorbeeren ziehen derzeit Martina Schöne-Radunski (Seymor Cassel Award Filmfest Oldenburg) und auch der Film samt Regisseur ihre Kreise auf den diversen Filmfesten des Landes. Denn sie hatten überall Spuren hinterlassen (u.a. German Independence Award Oldenburg 2013). Dabei ist „Kaptn Oskar“ nach „Papa Gold“ erst der zweite Film von Allround-Talent Tom Lass.

Wie schon in seinem Debüt „Papa Gold“ (Preis Verband Deutsche Filmkritik Achtung Berlin – New Berlin Film Award 2011) stand der junge Münchner (Jahrg. 1983) für „Kaptn Oskar“ nicht nur hinter sondern auch vor der Kamera. Bei den sog. „Credits“ taucht er diesmal zudem unter Hauptrolle, Produktion, Schnitt und Drehbuch auf. Den jungen Regisseur und Schauspieler („Harte Jungs“, Krabat“) jetzt aber in einem Atemzug mit Allround-Genies wie Francois Truffaut, Godard, Xavier Dolan und Co. zu nennen, wäre vermessen.

Tom Lass´ zweiter Film „Kaptn Oskar“ nimmt zwar sichtbar Anleihen bei genannten Wunderkindern, verbreitet aber mehr den Duft einer Fingerübung, denn eines ernst zu nehmenden Dramas. Zu verschachtelt wirkt der Film, die lakonischen Dialoge wie improvisiert. Die Geschichte von Oskar und seinen Frauen verliert zum Ende hin, nachdem Oskar erkennen muss, dass auch seine zweite Beziehung mit der merkwürdigen Masha (Amelie Kiefer) zum Scheitern verurteilt ist, sichtbar an „Drive“. Am Schluss bleibt eine etwas ziellose Coming-of-Age-Geschichte aus Berlin, die mehr Fragezeichen als Ausrufungszeichen hinterlässt. Auch bei meiner Frau. Dennoch darf man auf die nächsten Projekte von Tom Lass und seiner Darstellerin Martina Schöne-Radunski gespannt sein. Mal schauen, was das (kritische) Münsteraner Publikum von Tom Lass und seinem Film hält.

Filmfestival Münster 2013 – Europäischer Spielfilmwettbewerb
Regie: Tom Lass
Deutschland 2013
78 Minuten

Fr., 11.10., 20:30h, Cineplex; Sa., 12.10., 22:15h, Cineplex

  



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