KRITIK

Im Schatten

Im Schatten Die Filmemacher der Berliner Schule, in Deutschland (anders als im cinephilen Ausland) oft noch als lustferne Jünger der schmucklosen Form verschrien, haben das Krimigenre neu für sich entdeckt: Christian Petzold versetzte den „Postmann, der zweimal klingelt“, mit „Jerichow“ in die ostdeutsche Provinz.

Benjamin Heisenberg ließ einen „Räuber“ über die Leinwand rennen, und jetzt hat auch Thomas Arslan („Ferien“) einen Krimi gedreht. In der Hauptrolle: Misel Maticevic, der jüngst auch in der gefeierten Dominik-Graf-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ sein physisch so ungewöhnlich präsentes und präzises Spiel demonstrierte.

Wie Benjamin Heisenbergs Räuber (D, 2010) kommt auch Thomas Arslans Figur aus dem Knast. Was Trojan erlebt, klingt vertraut: alte Komplizen wenden sich ab, wollen ihr unrechtmäßig erworbenes Beutegut schützen, ein Polizist (toll: Uwe Bohm) treibt ein falsches Spiel, ein neuer Coup läuft aus dem Ruder.

Arslan aber erzählt das betont anti-psychologisch und effektlos, runtergestrippt aufs Wesentliche: auf die Vorgänge, das Planen, das Beobachten, das Vorbereiten. Die tolle Kamera von Reinhold Vorschneider bleibt stets auf Distanz. Das mag manch einer ermüdend finden, doch wer sich aufs Beobachten einlässt, erlebt spannendes Noir-Kino – bei dem Meister wie Jean-Pierre Melville, Lang oder Mann stets mitschwingen, ohne zitiert werden zu müssen. Sehenswert.



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INHALT

Trojan ist ein Profi und auf Raubüberfälle spezialisiert. Nach einer fünfjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen, macht er dort weiter, wo er vor seiner Verhaftung aufgehört hatte. Doch muss er jetzt wieder fast von Null anfangen. Seinem ausgeprägten Bedürfnis nach Unabhängigkeit stellen sich zahlreiche Hindernisse in den Weg. Er steht fast ohne Geld da und der Großteil seiner alten Kontakte erweist sich als wenig zuverlässig. Richard, der Trojan seinen Anteil aus einem früheren Coup schuldet, hat nicht vor ihn auszuzahlen. Stattdessen setzt er seine Leute auf Trojan an, um ihn loszuwerden. Durch die Vermittlung von Dora Hillmann, mit der er nach langer Zeit wieder zusammentrifft, eröffnet sich ihm die Möglichkeit auf einen Geldtransporterüberfall. Als Trojan gemeinsam mit seinem alten Freund Nico die Vorbereitungen für den Job trifft, hängt sich auch der korrupte Polizist Meyer an ihn dran. In einem Geflecht aus Misstrauen, Verrat, Beschattung und Gewalt muss Trojan den Überblick behalten.
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