KRITIK

Im Fadenkreuz – Allein gegen alle

Im Fadenkreuz - Allein gegen alle Sonnenlichtdurchflutete Breitwand-Bilder von Kampfhubschraubern, zeitlupenpräzise Artillerie-Aufnahmen und patriotismusglitzernde Helden-Fotografien sind für Hollywoods Kriegsfilm-Verhältnisse wahrlich nichts Ungewöhnliches. Man sollte es dem Regiedebütanten John Moore keinesfalls vorwerfen, dass er sich an den technischen Bedingungen seines Blut-und-Boden-Sujets berauscht wie so viele andere vor ihm, dass er die Räuber-und-Gendarm-Momente des stahlgewitternden Soldatenspiels schätzt und im Kugelhagel Coca-Cola-Coolness entdeckt. Schon Ernst Jünger pries ja mitreißend die Ästhetik des Maschinengewehrs, und wer wie Moore im Werbeclip-Milieu sein Handwerk erlernt hat, der weiß, wie gut sich Sterbenselend in konsumfreundlicher Hülle verkaufen lässt.
Nein, das Problem besteht darin, dass er politische Brisanz und geschichtliches Engagement vorgaukelt, statt gerade heraus seine „Top Gun“-Ideologie zu vertreten.
Wo sich Michael Winterbottom in „Welcome to Sarajevo“ mit eingestandener Verwirrung einer bürgerkriegszerrissenen Landschaft näherte (Angelopoulos‘ „Blick des Odysseus“ sei gänzlich verschwiegen), da stapft Moore fröhlich durchs Minenfeld seiner Unkenntnis. Sicher, die Balkan-Situation wird als diffus geschildert – und genau deshalb zu einem „Auf der Flucht“-Marathon mit klarem Feindes-Schema verniedlicht. Patrick Wildermann



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INHALT

Im Fadenkreuz der Story steht der gelangweilte Düsenjet-Navigator Chris Burnett, der gehofft hatte, "ein paar Nazis auf die Fresse hauen zu können", nun aber während des Bosnien-Krieges auf einem Flugzeugträger irgendwo in der Adria den Nato-Babysitter für eine Bande kaum zu unterscheidender Balkan-Hooligans spielen muss, deren Städte alle Namen tragen, auf die man "Gesundheit" erwidern möchte.
Eines Tages aber werden Burnett und sein Partner von der serbischen Soldateska abgeschossen, weil sie im Zuge eines Aufklärungsfluges versteckte Massengräber abgelichtet haben. Hinter den feindlichen Linien auf sich allein gestellt, flieht der überlebende Chris vor einem Scharfschützen, der nie trifft.
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