KRITIK

Im Dutzend billiger 2 – zwei Väter drehen durch!

Im Dutzend billiger 2 - zwei Väter drehen durch! Die angespannte Weltlage zeigt Folgen. Hollywood dreht jetzt Familienkomödien, gegen die selbst manch Nachkriegsheimatfilm progressiv erscheint: Zur kulturellen Selbstbestätigung und erst recht zur Steigerung der Moral im Abendlande scheint jetzt jedes Mittel recht. Die Fortsetzung von „Im Dutzend billiger“ mit Steve Martin als wertkonservativ-fruchtbarem Slapstick-Patriarchen einer mit zwölf Kindern gesegneten Familie unterscheidet sich deshalb auch nicht im Geringsten vom Original. Außer vielleicht dadurch, dass Schmalz, Kitsch und reaktionäres Familiengewese hier noch mehr Überhand genommen haben.

Wieder müssen sich Tom Baker (Martin) und seine brave Gattin (Bonnie Hunt) mit den Launen ihrer Rasselbande herumschlagen, deren vorgebliche Frechheit freilich nie über das Formulieren einer eigenen Meinung hinausgeht. Skandal: Die Tochter verliebt sich. Gottlob: in einen Jungen. Regisseur Adam Shankman („Der Babynator“) lässt Martin in den Ferien am See in einen sozialen Wettstreit mit einem eitlen Angeber geraten und vermeidet dabei zielsicher jeden Gag, der nicht mit Ins-Wasser-Fallen oder Vom-Hund-besabbert-Werden zu tun hat. Gefährlich harmlos ist das alles und wenig strapaziös, denn Lachen darf man ja nicht.

Auslöser der Story, in der die Familienblödeleien des ersten Teils gedankenfaul variiert werden, ist diesmal Toms Erkenntnis, dass seine Sprösslinge langsam flügge werden. Die älteste Tochter (Teenie-Sternchen Hilary Duff, „Cinderella Story“) hat gerade das College beendet und will – schockschwerenot! – nach New York ziehen. Die Zweitälteste (Piper Perabo) ist sogar schwanger und will mit ihrem Lebensgefährten nach Texas ziehen, und der älteste Sohn (Tom „Smallville“ Welling, der seine Kinokarriere nach „The Fog“ offenbar geplant in die Tonne dirigiert) pendelt orientierungslos zwischen Studium und Schlosserjob. Höchste Zeit also für einen letzten gemeinsamen Urlaub am Lake Winnetka in Wisconsin.

In der dortigen Bruchbudenunterkunft ist viel Zeit für innerfamiliäres Gekabbel in bewährter „Deine, meine, unsere“-Manier (so hieß ein Viele-Kinder-Film aus den Fifties), Dreh- und Angelpunkt bleibt jedoch Toms Sozialneid. Denn sein schon zu Jugendzeiten verhasster Schulkamerad Jimmy Murtaugh, ebenfalls sehr kinderreich, ist mittlerweile der mondäne Obermax an der Teichidylle, jung und oberweitenüppig verheiratet (mit Carmen Electra, „Starsky & Hutch“) und immer noch grenzwertig ehrgeizig. Eugene Levy spielt ihn, der „American Pie“-Daddy, der jetzt bis zum Ende seiner Tage irre Käuze darzustellen hat. Immerhin ist er der weitaus Lustigste in diesem komödiantischen Biederspiel, in dem Steve Martin seine zigfach bekannten Mätzchen machen muss, die Kinderbande kaum Raum für originelles Spiel bekommt und der verbissene Wettbewerb um Talent, Status, Lebensfreude zwischen den beiden Familien bis zum verkitschten Schluss nie auch nur ansatzweise zündet. Das Original war überflüssig. Dieser stocktrutschige Aufguss ist völlig verschenkt.



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INHALT

In der Baker-Familie herrscht nach wie vor das altgewohnte Bild. Die Kids finden immer Grund für gutmütigen Zank, während Familienoberhaupt Tom und Ehefrau Kate weiterhin souverän über das alltägliche Chaos wachen. Jetzt wartet ein neues Abenteuer, das die Bakers nicht nur vor logistische Probleme stellt: Urlaub, alle 14! Das wäre noch gar nicht so schlimm, wenn sich unterwegs nicht ein Konkurrenzkampf mit der Familie Murtaugh - immerhin mit acht Kindern gesegnet - entwickeln würde.
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