KRITIK

Im Bann des Jade Skorpions

Im Bann des Jade Skorpions Zwischen einer kaschierten Liebe, Neurosen und Hypnose ist „Im Bann des Jade Skorpions“ eine Hommage an die Kriminalfilmklassiker der 30er und 40er Jahre und Screwball Comedies aus Hollywoods goldener Ära.
Eingestreut in die vordergründige subtile Abhandlung des mysteriösen und unspektakulären Kriminalfalls sind historische Anspielungen auf eine Zeit, deren Geist durch Glamour, Krieg, Mussolini und Hitler geprägt war. Allen vergisst nicht, ein zwei Mal den moralischen Zeigefinger zu heben – Er ist ein eher unzeitgemäßer Filmemacher und benötigt nicht mehr als seinen Wortwitz.
Es sind die Dialoge der brillierenden Hauptdarsteller die der schlichten Geschichte ihre Spannung geben. Er menschelt und versucht Einblick zu gewähren in das komplexe Innere der Normalsterblichen. Die eigentlich runden Charaktere erweisen sich als vielschichtig, verziert mit Ecken und Kanten. Sie werden auseinander genommen, umgekrempelt und gespiegelt. Hypnose – das ist Allens Zauberwort. Da ist die äußerlich unterkühlt ehrgeizige Helen Hunt, deren Herz auf einmal Regung zeigt. Da ist er selbst als zerstreut hektischer Spürhund, der in Trance zu einem verständnisvollen Langweiler wird.

Überhaupt scheint es dem bekennenden Stadtneurotiker um Reflexion zu gehen. In einer wunderbaren Ausstattung werden nicht selten Rückseite, Profil und Aufsicht durch goldgerahmte Spiegelbilder entzaubert. Es interessiert alles, was nicht im ersten Moment, in der ersten Gegenüberstellung erahnt wird. Auch sonst wird das kunstvolle Interieur von der Kamera vorsichtig durchmessen. Lampen begrenzen rechts und links das Bild, erlauben sich in einigen Zentrum fokussierenden Einstellungen mit den Darstellern zu konkurrieren. Der Lampen Licht wiederum geben durch Ein- und Ausschalten den schnellen Wechsel von Wach- und hypnotischen Dämmerzustand an. Über weite Strecken erinnert der Film an ein Boulevardstück: Figuren, leben zwischen Tür und Angel, und dringen im falschen oder genau im richtigen Augenblick ins Geschehen ein.

Eine von Allens größten Stärken ist – wie aus Sweet and Lowdown – das unfühlbare Gespür für Musik. Bei grenzenloser Hypnose-Liebe schmust sich eine sanfte Musik in den Film. Bei kriminellen Kleinigkeiten klingt die abgehackte Jazz-Gitarre. Musik erleichtert die täglichen Emotionen an die Oberfläche zu transportieren. Wer Woody Allens Stil schon vorher mochte wird ihn auch hier mögen. Wer ihn bisher noch nicht entdeckt hat, wird das Kino vielleicht beschwingt mit einer schönen Melodie im Kopf verlassen.



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INHALT

Das New York der 40er Jahre. Eine verrucht prömmelige Versicherungsagentur ist Szenario für Woody Allens neue Ganoven-Komödie.
Zwischen verstaubten Lampen und Berge voller Akten gerät der zerknitterte Versicherungsagent C.W. Briggs schwer unter Beschuss. Der Grund: die Versicherungsagentur hat eine neue toughe Vorgesetzte: Betty Ann Fitzgerald. Sie will den Laden mal so richtig entrümpeln und am liebsten alle altmodischen Arbeitsmethoden samt der dazugehörenden Persönlichkeiten wegrationalisieren.
An erster Stelle auf ihrer Liste steht Briggs. Als charmanter Spürhund kommt dieser zwar den raffiniertesten Verbrechen mit verblüffender Leichtigkeit auf die Schliche aber dies mit nicht ganz datenträgertauglichen Methoden. Damit konnte Briggs bislang besonders seinen weiblichen Kollegen imponieren, bei der eisernen Lady Fitzgerald aber hat er so seine Probleme. Denn das sind keine modernen, das sind altmodisch verspielte Methoden zu Recherchieren und Ermitteln und damit auf keinen Fall tragbar für die Agentur. Sie hält ihn für ein freches Wiesel und für nicht ganz geheuer.
Aber dann kommt alles ganz anders. Erst wird dank den großen Voltan und seiner Hypnose eine kurzzeitiger süßer Bund zwischen den beiden rivalisierenden Streithähnen geschlossen und dann wird Briggs auch noch verdächtigt, Drahtzieher in einem Juwelenraub zu sein. Die Chancen stehen schlecht, wären da nicht die Zauberwörter Konstantinopel und Madagaskar, die der Hass- Liebe und dem Film seine Richtung weisen.
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Eure Kritiken zu Im Bann des Jade Skorpions

  1. Nat

    Mit Sicherheit einer der besseren..Woody Allen Filme. Auch wegen der tollen Musik und daraus resultierenden „smoothen“ Stimmung. Ein Film zum genießen, kein Film der Kategorie zum „aus dem Sessel schmeissen“!..

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