KRITIK

Ich und Kaminski

Bild (c) 2015 X-Verleih.

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Wenn sich der deutsche Darsteller Daniel Brühl so oft den Vorwurf anhören muss, er spiele ja doch nur immer neue Varianten von Schwiegermutters Liebling, dann ist vor allem sein Auftritt in „Good Bye Lenin!“ schuld daran. Darum überrascht es umso mehr, dass er in „Ich und Kaminski“ endlich mal einen Schmierling spielt. Die (auch international) sehr erfolgreiche Ostalgie-Komödie aus dem Jahr 2003 machte Daniel Brühl weltweit bekannt. Für seinen damaligen Regisseur war „Good Bye Lenin!“ dagegen weniger ein Karriereschub: Wolfgang Becker hat seither keinen Langfilm mehr gedreht.

Nun aber haben die beiden wieder zusammengefunden – und die bis dato beste Daniel-Kehlmann-Roman-Verfilmung produziert. Nicht, dass das ein Kunststück wäre, denn weder „Die Vermessung der Welt“ noch „Ruhm“ trafen den Ton von Kehlmanns Büchern. „Ich und Kaminski“ jedoch, die Verfilmung seines schmalen Debütromans, punktet als krude, aber einfallsreich inszenierte Mixtur aus Kulturbetriebsfarce und Roadmovie.

Szene_Ich_KaminskiDas Schönste daran: Der mittlerweile auch international erfolgreiche Daniel Brühl („Rush – Alles für den Sieg„) spielt endlich mal einen Schmierling. Er gibt den an schlimmer Selbstüberschätzung leidenden Journalisten Zöllner, einen eitlen Gecken, der die Biografie des in Vergessenheit geratenen Malers und Warhol-Zeitgenossen Marek Kaminski (Jesper Christensen, „Die Erbschaft“) schreiben möchte. Aus Interesse? Keineswegs. Zöllner spekuliert eher auf die verkaufsfördernde Wirkung eines zeitnah zur Veröffentlichung erhofften Ablebens des moribunden Künstlers.

Wie Zöllner in der ersten Filmhälfte im Kunstmilieu recherchiert und sich an Kaminski heranwanzt, in dessen abgelegenen Chalet in den Schweizer Bergen, das erzählt Becker als gekonnt überzeichnete Satire mit netten Gastauftritten von Josef Hader oder Milan Peschel. Dann aber begeben sich Zöllner und Kaminski auf große Fahrt nach Belgien, um eine Verflossene Kaminskis (Geraldine Chaplin) aufzuspüren – und der Film verliert einiges an Schwung. Trotzdem: Es bleibt die bislang beste Kehlmann-Verfilmung.

 

 

 



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