KRITIK

Ich hab´ doch nur meine Frau zerlegt

Ich hab´ doch nur meine Frau zerlegt Afonso Arau, mexikanischer Oscar-Preisträger (Bittersüße Schokolade), versucht in diesem Film einen Spagat, für den man mindestens vier Beine bräuchte: phantastischer Realismus lateinamerikanischer Prägung, Woody-Allen- und Vulgär-Humor, Satire, Gesellschaftskritik (Religion und Wirtschaft!) und lustiges Zitieren aus der Filmgeschichte. Leider hat der Regisseur alles verknüpfen und auf Zelluloid binden wollen. Wenn es vorher noch nie Filme gegeben hätte, die sich über Penis- und Busengröße, über die katholische Kirche, amerikanische Cops und untreue Frauen (usw.) ausgelassen hätten, dann hätte der Film zumindest eine schlechte Boulevard-Komödie werden können. So sieht er nur aus wie ein schlechtes Plagiat früher Woody-Allen-Filme (bis Mitte der 70er Jahre), unterlegt mit Musik und Klischees, die dem Ganzen einen ironischen Touch geben sollen. Aber warum sollen nicht auch Hollywoodstars- und Importe das Recht dazu haben, so richtig schlechte Filme machen zu dürfen. Das Eintrittsgeld fürs Kino kann man besser in Woody-Allen- Videos (die frühen) anlegen, da sich der Komiker dort nicht nur selber spielt, sondern auch (oft besser) Regie führt. Rainer Bach



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INHALT

Der nach Texas ausgewanderte New Yorker Tex arbeitet als Metzger und hat mit aller Kunstfertigkeit seine chronisch nymphomanische Frau Cany getötet und in sieben Teile zersägt. Sechs vergräbt er im benachbarten New Mexiko, nur die Hand (mit erstarrtem Stinkefinger) der Verstorbenen hat er auf der Fahrt bei Nacht verloren. Doch - oh Wunder- eine Blinde stolpert über eben jenes Glied und kann wieder sehen. Der örtliche Priester, der gerade noch aus dem Lasterbett seiner Freundin und Berufshure Desi steigt, mag es nicht glauben. Liegt doch die Kirche dem inneren und äußeren Verfall ebenso nahe wie das skurrile Völkchen des Dorfes El Nino. Doch das Wunder geht weiter: Lahme gehen, Amputierten wachsen Beine, Flachbusigen Riesenbrüste und ein winziger Penis wird zum Elefantenrüssel. Diese und weitere Wunder lassen nicht nur die Presse aufhorchen, sondern auch die katholische Glaubenskommission zur Überprüfung falscher Wunder. Auch Tex macht sich auf den Weg, um das letzte Beweisstück seines Mordes verschwinden zu lassen, sitzt ihm doch schon wie eine Schweißfliege der bärbeißige Sheriff Bobo auf den Versen. In El Nino aber ist das Wunder für das verschlafene Dorf zum Wirtschaftsfaktor Nummer eins geworden.
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