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I Tonya

Plakat zum Film I Tonya mit Margot Robbie.

Bild (c) 2017 DCM Film Distribution.

Am 6. Januar 1994 ereignete sich einer der größten Skandale der Sportgeschichte: Ein vom Ex-Ehemann der US-amerikanischen Eiskunstläuferin Tonya Harding angeheuerter Scherge zertrümmerte ihrer größten Konkurrentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange das Knie – einen Monat vor den Olympischen Winterspielen in Lillehammer. Die ganze Welt rätselte damals: Wusste Harding von der geplanten Attacke?

Ausgelöst durch diesen Schock interessierten sich plötzlich Leute für Eiskunstlauf, die von Flips und Rittbergern sonst keinen blassen Schimmer hatten: Sie sahen, wie Harding die amerikanischen Meisterschaften gewann, weil Kerrigan fehlte. Und dann, wie die genesene Kerrigan in Lillehammer Silber holte, während Harding dort die Wettkampfrichter um Gnade anflehte, als sie selbst übers Schuhwerk strauchelte. Am Ende wurde sie lebenslang gesperrt. In den Medien stilisierte man Kerrigan zur Eisprinzessin und die aus prekären Verhältnissen stammende Harding zur „Eishexe“.

Bild aus dem Film "I Tonya" mit Margot Robbie.Ein Stoff, den man wohl nur als die groteske Seifenoper inszenieren konnte, die er war. Regisseur Craig Gillespie („Lars und das Mädchen„) zieht das Biopic als Fake-Doku auf, lässt die Darsteller immer wieder die sogenannte „vierte Wand“ der szenischen Situation durchbrechen und direkt ins Publikum sprechen. Der Film beleuchtet die Geschehnisse zudem aus verschiedenen Perspektiven – wodurch sich jeweils auch die erzählte „Wahrheit“ ändert.

Vor allem ist „I, Tonya“ ein Fest für die Schauspieler, die in ihren scheußlichen Frühneunziger-Klamotten sichtlich viel Spaß haben. Einen verdienten Oscar gewann Allison Janney („Mom“), die Hardings alleinerziehende Mutter LaVona als eiseskaltes, brutal-vulgäres Ehrgeizmonster mit Papagei auf der Schulter verkörpert, die die Tochter von klein auf misshandelt und den großen Preisen entgegentreibt. Doch Tonya (stark: Margot Robbie aus „Suicide Squad„, die den Film mitproduzierte), die, kaum zwanzig, als erste Amerikanerin den halsbrecherischen dreifachen Axel hinbekommt, entwindet sich schließlich dem mütterlichen Zugriff – nur um beim dubiosen Ehemann Jeff (Sebastian Stan aus „The Covenant“) und seinen kriminellen Kumpanen zu landen.

Szene aus dem Film "I Tonya" mit Margot Robbie.Gillespies „I, Tonya“ ist überdreht und tanzt in seiner Schrillheit mitunter an die Grenze zum Enervierenden, kriegt aber immer wieder die Kurve. Was auch an Margot Robbie liegt, die das White-Trashige der athletisch-trampeligen Harding verwegen und furchtlos auf die Leinwand bringt. Sehenswert.

 

 

 

 



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