KRITIK

Hyde Park am Hudson

Plakat zum Film Hyde Park am HudsonDer stotternden King George VI. von England? Da denkt der Filmfan zwangsläufig an Colin Firth, der im Tom Hooper Drama „The King´s Speech“ für just jene Rolle den Oscar erhielt. Eigentlich kaum möglich, aus dessen Schatten herauszutreten, wenn man sich ebenfalls an diesem Part versucht. Aber Samuel West macht seine Sache gut: Der smarte Brite, den man vor allem aus Actionfilmen („Van Helsing“) kennt, darf der gehemmten Königsfigur jetzt eine weitere Facette hinzufügen: royale Pikiertheit.

George und seine Frau Elizabeth (die spätere Queen Mum) besuchen den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Juni 1939 auf seinem Sommersitz im Staat New York, der zwar Hyde Park heißt, aber am Hudson liegt und nicht an der Themse. Wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs will das Königspaar um Unterstützung ersuchen, falls Hitler in Europa zum Äußersten greifen sollte. Die Amerikaner aber wollen sich aus dem Konflikt heraushalten.

Szene Hyde Park am HudsonViel Aufhebens um den historischen Hintergrund macht Michells Film nicht – hier geht es um das Private und um den Clash zwischen britischer „stiff upper lip“ und amerikanischer Hemdsärmeligkeit. Hauptfigur des Films ist der poliokranke Roosevelt, den der unvergleichliche Bill Murray nuancenreich zwischen Kauz, Hallodri und Charmeur ansiedelt und mit jeder Menge Charisma ausstattet: ein hedonistischer Widerpart zu Daniel Day-Lewis´ „Lincoln“. Mehr oder weniger heimliche Affären hat er mit diversen Frauen (neben seiner Ehefrau Eleanor), darunter ist die verbürgte Liaison zu Daisy (Laura Linney), seiner Cousine fünften Grades, aus deren Perspektive der Film erzählt ist: Ihr Briefwechsel fand sich in ihrem Nachlass.

George und Elizabeth werden zu stets hinreißend pikierten Zeugen des amourös verschrobenen Geschehens in Hyde Park. Erdulden müssen sie britenkritische Cartoons aus der Zeit des Unabhängigkeitskriegs im Schlafgemach und unwürdige PR-Termine mit Hot-Dog-Verzehr. Aus Episoden dieser Art, mal sehr, mal weniger amüsant, formiert sich der Film; Michell (Notting Hill, Morning Glory) laviert dabei zwischen Ironie und Melancholie, riskiert manche Länge, trägt wenig Erhellendes über den Vorabend einer historischen Katastrophe bei. Bleibt also vor allem großes Schauspielerkino: Murray war als Roosevelt für den Golden Globe nominiert. Zu Recht!

  

Kritikerspiegel Hyde Park am Hudson



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 




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