KRITIK

Hwal – Der Bogen

Hwal - Der Bogen Ein Flug über das offene Meer. Ein viel zu oft gesehenes Intro. Der Flug der Kamera endet über einem alten Boot, zwei Menschen werden vorgestellt: Ein junges Mädchen, etwa 16 Jahre alt, ein betörendes, oft lächelndes Geschöpf, unschuldig und ohne Scham oder Kalkül und ein alter Fischer, der seinen Schatz hütet. Im Alter von sechs Jahren hatte er das junge Mädchen bereits bei sich aufgenommen. Mit einem Bogen, den er mit hoher Kunstfertigkeit zu führen weiß, verteidigt er seinen Schatz gegen fremde Blicke und fremde Hände. Damit erinnert er an die Spielmänner diverser Sagenwelten, die zugleich musizieren, erzählen und kämpfen können. Beide sind sich selbst genug, der Alte, der nicht viele Worte macht und sein Mädchen, dass nur das Boot kennt. Oder ist es seine Gefangene? Regisseur Kim Ki-Duk liebt es, sowohl die Protagonisten seiner Filme als auch die Zuschauer auf unsicherem Boden verharren zu lassen. Und ganz langsam naht das Unheil. Hier in Form eines jungen Studenten, der das Mädchen zunächst mit einem MP3-PLayer für sich begeistern kann.

Hwal wirkt wie eine Kombination aus Elementen von Ki-Duks letzten Filmen Samaria und Bin-Jip. Hwal jedoch kommt fast ganz ohne Gewalt aus. Hier ist es eine anrührende Geschichte zweier Menschen, die in der Abgeschiedenheit ihres beengten Lebensraums eine eigene, unschuldige Art der Beziehung entwickelt haben, die sich der moralischen Wertung durch die Außenwelt letztlich entzieht und am Ende ins Mythische überhöht wird. Und bis auf dieses arg elegisch geratene Fantasy-Ende ist auch diese Collage wie alle Ki-Duk Filme ein kleines aber feines Meisterwerk der stillen Momente.



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INHALT

Ein alter Mann und ein Mädchen leben alleine auf einem Boot. Seit der Fischer das Mädchen im Alter von sechs Jahren bei sich aufnahm, hat sie das Boot nicht verlassen. Mittlerweile ist sie 16, und in drei Monaten soll die Hochzeit der beiden sein. Plötzlich besucht ein junger Student die beiden und weckt das Interesse des Mädchens. Der Bogen, mit dem der Mann sonst Orakel oder auch zarte Melodien spielt, entwickelt sich zum Gegenstand sexueller Macht und bringt die Schicksalsgemeinschaft auf dem Boot aus dem Gleichgewicht.
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