KRITIK

Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Der

Bild (c) Concorde Film.

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Romanverfilmungen und ihr Publikum. Es wird sie wieder geben, die Enttäuschten, weil es sie immer gibt, wenn Erfolgsromane für die Leinwand umgesetzt werden. Kein Drehbuchautor, der aus 400 Romanseiten zwei Stunden Filmvorlage herausmeißeln muss, kommt ohne beherztes Kürzen aus. Und Kürzen sorgt zuverlässig für Klagegeschrei: Warum fehlt diese oder jene geniale Szene? Wie konnten die nur?

Ob im Sechs-Millionen-Seller des Schweden Jonas Jonasson tatsächlich so viele geniale Szenen enthalten sind, daran zweifelt zumindest die Literaturkritik, seitdem das Buch seinen unerwarteten Siegeszug durch die weltweiten Verkaufsbestenlisten antrat. Als Mischung aus Schelmenroman und „Forrest-Gump“-Paraphrase reicherte es den skurrilen Road-Trip eines hundertjährigen Sprengstoff-Fanatikers mit vielen Rückblenden quer durch dessen Leben an, das im 20. Jahrhundert im Windschatten der Weltgeschichte den Weg vieler Protagonisten der Zeitgeschichte kreuzte.

Regisseur Felix Helmgren hat aus diesem Stoff nun überraschenderweise kein großbudgetiertes, international besetztes Prestige-Kino im Stil von „Das Parfüm“ oder „Der Medicus“ gemacht, sondern eine pikareske Sketch-Sammlung mit viel Freude an trocken-skandinavischem Humor. In der Hauptrolle des Allan Karlsson beeindruckt dabei der 48-jährige Comedian Robert Gustafsson, der per Make-up sowohl auf Jüngling als auch auf Greis geschminkt wird – und in allen Altersstufen überzeugt.

Szene_HundertjaehrigeDie Rahmenhandlung, in der Karlsson vor den Festivitäten seines runden Geburtstags flieht, per Zufall an einen Koffer mit 50 Millionen Kronen gerät, fortan von einer tumben Ganovenclique verfolgt und von skurrilen Typen begleitet wird, schnurrt als herkömmliche, aber kauzige Räuberpistole vor sich hin. Die Rückblenden dagegen, in denen der unpolitische Naivling mal Robert Oppenheimer beim Atombombenbau assistiert, mal als mit Stalin saufender Doppelagent dilettiert, werden etwas unelegant dazwischenmontiert.

Schade ist es aber, dass der eingangs herrlich schwarze, an Woody Allens Fake-Doku „Zelig“ erinnernde Humor bald viel gröber gedrechseltem Slapstick weicht. Das Anekdotenhafte (man könnte auch meinen: effekthascherisch Zusammengesuchte) von Roman und Film tritt dadurch umso deutlicher hervor.

 




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