KRITIK

Hulk

Hulk Hulk – Dieser Koloss mit der ungesunden Hautfarbe entstammt wie Superman, Spiderman, Batman und die übrige Helden-Riege besonders Begabter dem Marvel-Comic-Universum, wobei er im sprechblasenbunten Weltenretter-Pantheon eine Sonderstellung innehat. Hulk taugt nicht als Vorbild, zu wahllos schlägt er um sich, zu gefährlich wirken seine Launen. Nicht mal er selbst kann sich leiden. Dabei ist Bruce gänzlich schuldlos, ein klassisches Opfer der Elterngeneration.

Sein Vater David, gespielt von Nick Nolte, hat als irrlichternder „mad scientist“ zu hybrid mit den eigenen Genen experimentiert und die manipulierte DNS an den Sprössling weitergegeben, bevor er die gesamte Familie ins Unglück stürzte. Als erwachsener Juniorwissenschaftler leidet er noch heute unter Alpträumen, kapselt sich emotional ab, weswegen ihn auch seine Freundin Betty (Jennifer Connelly), eine Forschungs-Kollegin, verlässt. Als Bruce jedoch bei einem Laborunfall eine Überdosis Gamma-Strahlen abbekommt, wird das verhängnisvolle Erbe freigesetzt. Er gerät außer Kontrolle.

Was ausgerechnet den taiwanesischen Regisseur Ang Lee daran gereizt hat, die Geschichte vom grünen Haudrauf-Monster zu erzählen, die 1978 bereits als Fernsehserie mit dem Bodybuilder Lou Ferrigno in der Hauptrolle lief, bleibt etwas rätselhaft. In Interviews fabuliert der Schöpfer solch feinnerviger Familiendramen wie „Sinn und Sinnlichkeit“ und „Der Eissturm“ gern über die Wurzeln des Stoffes in den Zeiten des Kalten Krieges sowie die Analogien zu modernen Ängste.
Doch wahrscheinlich würde kein Regisseur erklären, sein Sommer-Blockbuster feiere schlicht und einfach die Lust an der Zerstörung. Immerhin hat Lee hier einen Erzählstil gefunden, der den Comic-Charakter hübsch verspielt aufnimmt: im flotten Schnitttempo unterteilt er das Bild per Split-Screen immer wieder zur bunten Kästchen-Folge, durch die sein vollständig digitalisierter Hulk poltert – der allerdings sieht tatsächlich aus wie ein tricktechnischer 50er-Jahre-Anachronismus.

Wirklich reizvoll erscheint allein der Vater-Sohn-Konflikt, den der dämonisch verzottelte Nick Nolte und der eher blasse Eric Bana austragen. Da gewinnt „Hulk“ für Momente Tiefe hinter den Schablonen-Bildern, da werden Verletzungen und Sehnsüchte spürbar, die den Krawall-Rahmen aufweichen und den Blick für neue Dimensionen öffnen. Da interessiert einen bisweilen der Mensch hinter dem grünen Giganten-Gesicht.

An einer Stelle gesteht Bruce seiner Freundin, er genieße es, die Kontrolle zu verlieren. Und beschreibt, was er als Hulk empfindet: Rasende Wut. Kraft. Und absolute Freiheit. So betrachtet hat Ang Lee hier gar das amerikanische Lebensgefühl der Gegenwart auf den Punkt gebracht.



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INHALT

Wenn Bruce wütend wird, und in letzter Zeit kommt das ziemlich häufig vor, versagt selbst das so beliebte „anger management“ Hollywoods, diese zärtlich-komödiantische Aggressionsbewältigung irgendwo zwischen Psycho-Kumpanei und „Punch Drunk Love“. Denn Bruce (Eric Bana) wächst bei akuter Verstimmung derart über sich hinaus, dass selbst Kampfhubschrauber und Raketen an ihm abprallen: Der Brustkorb und die Arme des sonst eher schüchternen Wissenschaftlers schwellen zu testosteronprallen Muskelgebirgen, die Hände mutieren zu zerstörerischen Hammer-Pranken und, nicht zu vergessen, er läuft vollständig grün an. Bruce wird zum Hulk.
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