KRITIK

Hotel

Hotel Was nicht nur inhaltlich klingt, sondern zunächst auch aussieht wie ein Horrorfilm, entpuppt sich als etwas ganz Eigenes. Einerseits ist es eine Mischung aus Horror, Mystery, Märchen und Thriller, andererseits entzieht Regisseurin und Drehbuchautorin Jessica Hausner sich und ihren zweiten Langfilm österreichisch-deutscher Produktion aber auch sehr geschickt den damit verknüpften Erwartungen.

Das mag den einen sehr unbefriedigt zurücklassen, dem anderen eröffnet es eine fremde Welt. In dieser Welt sehen die Sets oft aus wie in einem David-Lynch-Film: Da gibt es schwere Vorhänge, leere Gänge, kaum Tageslicht, dunkle Straßen und einen Wald, der eine magische Wirkung ausübt wie einst in „Twin Peaks“ und das Verschwinden in seinem dunklen Teil erinnert an eine Szene aus Hitchcocks „Vertigo“.

Verirren kann man sich auch im namensgebenden Gebäude, das bewusst im Nirgendwo angesiedelt und im Innern jeder Übersichtlichkeit beraubt wurde. Da half es, dass Jessica Hausner in mehreren Hotels drehen musste, um die verschiedenen Sets ihrer Vorstellung zu finden. Den Rest erledigte Filmarchitektin Katharina Wöppermann.

Ausnahmslos zu loben sind die Leistungen der Schauspieler. Erstaunt erfährt man, dass es sich neben Profis wie Hauptdarstellerin Franziska Weisz (auf der Berlinale zum österreichischen Shooting Star 2005 gewählt) um Laien handelt. Zum Beispiel Rosa Waissnix, im wahren leben Eigentümerin eines der Hotels, in denen gedreht wurde. Sie haucht ihrer Filmfigur (Frau Liebig) unverwechselbares Leben ein. Die Ästhetik der Bilder ist perfekt bis selbstverliebt zu nennen, doch spielt Jessica Hausner nur mit scheinbar Bekanntem. Die Absolventin der Wiener Filmakademmie baut sehr geschickt Atmosphäre auf. Der Zuschauer wird mit bekannten Suspense-Mitteln 74 Minuten auf bewusst kleiner Flamme gegart – bis zum genialen wie einzig möglichen Schluss.

„Hotel“ spaltet die Zuschauerschaft, wie ein Gespräch mit der Regisseurin bewies: Den einen hätten 45 Minuten vollkommen gereicht, die anderen verlieren sich in Interpretationen, wieder andere können das Spiel, das man mit ihnen offensichtlich treibt, genießen. Allen gemein sein dürfte, dass einzelne Bilder aus „Hotel“ lange hängen bleiben (Kamera: Martin Gschlacht).

Bei mir stellte sich die komplette Wirkung des Films erst am Tag danach ein. Auch die Erkenntnis, dass so manches einen „tieferen“ Sinn hatte als angenommen. „Hotel“ entstammt der Coop99, einem Zusammenschluss junger österreichischer Filmemacher, die auch bei „Schläfer“, „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Böse Zellen“ entscheidend mitmischten.



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INHALT

Irene tritt ihre Arbeit als Rezeptzionistin eines Berghotels an. Bald stellt sie fest, dass ihre Vorgängerin auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Irenes eigenes Schicksal beginnt sich mit dem ihrer Vorgängerin zu verweben - das Hotel und seine Belegschaft spielen dabei eine unheimliche Rolle. Bald sieht sich Irene von einer geheimnisvollen Gefahr bedroht, der sie zu entrinnen versucht. Die "Waldfrau, eine im 16. Jahrhundert auf dem Scheiterhaufen verbrannte Hexe, von der im Film erzählt wird, darf man dabei getrost als Symbol für all das, was die Protagonistin Irene in ihrem spießigen und nach strengen Regeln unterworfenen Job nicht lebt, sehen.
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