KRITIK

Horst Schlämmer – Isch kandidiere!

Horst Schlämmer - Isch kandidiere! Man könnte ja auf den Gedanken kommen, dass der Berliner Politikbetrieb nebst seiner inhaltsleeren Wahlkampffloskeln derzeit eine ordentliche satirische Breitseite abbekäme. Erst kam die Doku „Die PARTEI“ um den ehemaligen „Titanic“-Chef Martin Sonneborn ins Kino, jetzt folgt Hape Kerkeling mit seiner Kunstfigur des versoffenen, unhygienischen Journalisten Horst Schlämmer nach. Der hat die „HSP“, die „Horst Schlämmer Partei“ gegründet und fühlt sich zum Bundeskanzler berufen.

Zwei Parteien, die tatsächlich nicht zur Bundestagswahl zugelassen sind, zwei Filme, die vermeintlich die Frage nach Schein und Sein des politischen Alltags neu stellen und damit eine Zunft brüskieren, die längst nur noch von der Selbstinszenierung lebt – so zumindest sähen das die Macher gern.

Außerdem, sieh mal einer an, könnten sich laut einer vom Spiegel bestellten Umfrage rund 18 Prozent der Bundesbürger vorstellen, Horst Schlämmer zu wählen. Von solchen Zahlen kann selbst Guido Westerwelle nur träumen. Tatsächlich ist damit höchstens etwas über den Geisteszustand und die politische Reife der Republik verraten, für die Eulenspiegel-Qualitäten eines Kerkeling spricht das noch kein bisschen.

Tatsächlich sollte der von Angelo Colagrossi inszenierte 5-Minuten-Sketch „Isch kandidiere“, der aus unerfindlichen Gründen 96 Minuten dauert, höchstens dazu beitragen, dass man an den Stammtischen bald nicht mehr von Politik-, sondern von Parodieverdrossenheit spricht. Kerkelings alter Ekel Schlämmer, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“, setzt den Dutzend-Slogans der etablierten Parteien ein dadaistisches „Es muss mehr sein“ entgegen, reproduziert die allgemeine Ratlosigkeit damit aber mehr, als dass er sie karikierte.

Allerlei echte Politiker, darunter Landesvater Jürgen Rüttgers, haben sich bereit gefunden, sich Schlämmers Fahne auszusetzen. Aber dass Politiker jeden Mist mitmachen, wenn es Popularität verspricht, ist auch keine neue Erkenntnis.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Horst Schlämmer, stellvertretender Chefredakteur beim Grevenbroicher Tagblatt, hat seinen Job endgültig satt. Seine Interviews mit den Polit- und sonstigen Prominten machen ihm keinen Spaß mehr. Und er denkt sich, was die können, das kann ich auch. Er sucht nach neuen Herausforderungen und beschließt, in die Politik zu gehen, um Bundeskanzler zu werden. Er gründet die "Horst Schlämmer Partei - HSP".
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*