KRITIK

Höllentour

Höllentour
Freunde des Sportdokumetarfilms dürften den Namen Pepe Danquart noch in guter Erinnerung haben. Bereits im Jahr 2000 hat der mittlerweile fast fünfzig Jahre alte Singener und Oscar-Preisträger die hervorragende Dokumentation „Heimspiel“ über die Eishockeymannschaft „Berliner Eisbären“ auf die Leinwand gebracht. Nie zuvor hat es eine packendere Sportdokumentation über eine schnelle Sportart gegeben.
Nicht ganz so schnell, dafür aber wesentlich intensiver, weil „näher“ geht es in Danquarts zweiter Sportdokumentation zur Sache. Drei Wochen des härtesten Radrennens der Welt werden auf gut zwei Stunden komprimiert – mit allen Höhepunkten, Siegen, Stürzen und den unzähligen Niederlagen, körperlich wie mental. Das faszinierende sind dabei nicht die packenden Einstellungen während des Rennens, die von drei Kamerateams eingefangen weden, sondern die Randbetrachtungen, die diversen Werbewagen, wenn sie an den wartenden Radbegeisterten im Ort vorbeirauschen und nachher auf der Landstraße sich der Werbemittel entledigen oder aber die Gespräche der Hauptdarsteller nach dem Rennen im Hotel. Wenn Zabel und Freund Aldag nach dem Sinn des Ganzen fragen.

Genau zu diesen Zeitpunkten, im Hotelzimmer, bei der Teamsitzung oder bei der Massage distanziert sich der Film von einem besseren Telekom-Werbespot, der er hätte werden können, wenn es nicht auch die zahlreichen ruhigen Minuten geben würde. Zweifellos, der Star der Tortur ist Erik Zabel, der seine Kameraden mit unerschütterlichem Optimismus traktiert und sogar sich selbst, nach einem Sturz, mit einer Drahtbürste: zum besseren Ausblutenlassen der Wunde… „Warum bin ich nicht Surfer geworden.“ So beiläufig läßt sich die Quälerei auf dem Asphalt ausdrücken.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Das härteste Fahrradrennen der Welt, die Tour de France, wurde im Jahr 2003 100 Jahre alt. Jahr für Jahr fesselt das spektakuläre Großereignis Millionen Zuschauer, die weltweit die Bilder von Massenankünften, quälenden Berganstiegen und kräftezehrenden Zeitfahren verfolgen.

Oscar®-Preisträger Pepe Danquart hat diese Jubiläumstour mit drei Kamerateams begleitet. HÖLLENTOUR ist dabei alles andere als ein „offizieller“ Tour-de-France-Film, wenngleich die Magie des Rennens überzeugend erfasst wird.

Inmitten der Schönheit der Landschaft und der Spannung des Rennens schildert Danquart auch das Leiden und die Schmerzen, die Ängste und Schwächen seiner Helden. Er liefert eine Innenansicht der Tour und bringt uns die Menschen auf dem Sattel nahe – allen voran die sympathischen langjährigen Freunde Erik Zabel und Rolf Aldag. Daneben wird von der Geschichte der Tour erzählt, von der medialen Schlacht, dem gigantischen Organisationsaufwand und den radsportverrückten Zuschauern auf den Straßen, in den Kneipen und vor den Fernsehern.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Höllentour

  1. LanceArmstrong

    Packend…Packender und näher dran geht nicht.. An alle, die nach der Live-Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen nicht genug bekommen können..

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*