KRITIK

Hochzeitspolka

Hochzeitspolka Komiker Christian Ulmen als verdruckster Typ kurz vor einer chaotischen Hochzeit, in einem fremden Land, mit einer schönen Frau. Klingt bekannt und ist es auch: Letztes Jahr war genau das der Plot der mäßig umgesetzten Verfilmung des Bestsellers „Maria, ihm schmeckt´s nicht“.

Es ist aber auch der Plot von „Hochzeitspolka“, der neuen Komödie von „Dorfpunks“-Regisseur Lars Jessen. Nur wurde hier Italien durch Polen ersetzt. Christian Ulmen agiert darin erwartungsgemäß, wie er es in Plots dieser Art immer tut: stoisch im Chaos verharren, Sätze verhaspeln, gelegentlich Spitzen seitwärts abfeuern. Klingt bekannt. Und bleibt es auch.

Polen als Filmland hingegen bietet zunächst Anlass zur Sorge, dass die üblichen Klischees hier erneut wacker durchbebildert werden. Was auch passiert, nur nicht ganz so vordergründig. Jessen nämlich, sonst Chronist der norddeutschen Tiefebene, lässt Nordlichter mit Ressentiments auf argwöhnische Ostpolen aufeinander treffen. Beiderseitig werden dann gegenseitig die Vorurteile abgearbeitet, was reichlich komödiantische Explosivität verspricht.

Das hat für das Team um Lars Jessen den Vorteil, dass es zwar lauter üble Witze über erzkatholische Provinz-Eier, Autodiebe und arrogante deutsche Nazi-Nachkommen unterbringen -, aber stets als Zitate ihrer Figuren ausgeben kann. Geschickt: Lachen unter Niveau, kaschiert als ethnografische Studie.

Spitze Pointen sind ohne Zweifel garantiert, und bis zur Halbzeit hat das Witz. Dann aber rächt sich die Unterkomplexität des Drehbuchs. Ulmen spielt Frieder, den Boss der polnischen Abteilung einer deutschen Firma, die in die Ukraine verlegt werden soll, was er den Mitarbeitern verheimlicht.

Regisseur und Drehbuch-Mitautor Lars Jessen (auch „Am Tag als Bobby Ewing starb“) macht aber daraus wenig, weder Ätzendes noch Komisches. Frieders Kollegen von „Heide Hurricane“, seiner Rockband aus Jugendtagen, reisen zur Hochzeit an und sorgen für den Krach der Kulturen: drei gute Gags, der Rest ist komödiantische Routine. Obwohl die Jungs von Spitzenkräften wie Fabian Hinrichs und Nordlichter-Spezi Jens Münchow gespielt werden.

Am Ende steht pflichtschuldig-saufselig die deutsch-polnische Versöhnung, gezündet aber hat diese Posse nicht.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Frieder Schulz hat als Sänger der Band "Heide Hurricane" mit seinen Kumpels einst jeden Saal zum Kochen gebracht. Bis ihn ein aussichtsreicher Job als Geschäftsführer in die polnische Provinz verschlug. Nur drei Jahre später ist aus dem coolsten Typen von Heide schon fast ein Spießer mit Häuschen und Karriere geworden. Als er gerade die Hochzeit mit seiner Liebsten, der Polin Gosia, vorbereitet, tauchen überraschend seine alten Band-Kumpels auf. Sie wollen die guten, alten Zeiten mit Party, Rock und Bommerlunder so richtig aufleben lassen. Doch sie passen weder in Frieders neues Leben noch in das polnische Dorf.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Hochzeitspolka

  1. Kath84

    Eine schöne deutsche Komödie über die schwierigen Deutsch-Polnischen Beziehungen. Mit einem wie immer super Christian Ulmen. Schöne UNterhaltung, die sich lohnt.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*