KRITIK

Hitchcock

Plakat zum Film Hitchcock2011 konnte man Michelle Williams in Simon Curtis´ „My Week with Marilyn“ dabei zuschauen, wie sie Marilyn Monroe 1956 bei den Dreharbeiten zu „Der Prinz und die Tänzerin“ nachspielte. Dieses Jahr spielt der große Anthony Hopkins den großen Alfred Hitchcock nach, 1959 vor-während-und-nach den Dreharbeiten zu „Psycho“. Ob derlei Re-Enactments nun dem Erfolg retro-ästhetischer Fernsehserien wie „Mad Men“ geschuldet sind oder aber der Sehnsucht unserer Zeit nach besseren Kino-Zeiten, darüber streiten die Experten. „Hitchcock“, der Film jedenfalls grenzt an ein bloß mimetisches Verkleidungsspiel – Oscar-nominiert allein fürs Make-Up.

Hopkins trottet mit Gummi-Schmerbauch und Doppelkinn durch den zweigleisigen Plot: Den Hitchcock-Fans wird eine Nacherzählung der „Psycho“-Dreharbeiten geboten, für die „the Hitch“ seinerzeit sein Haus verpfändete. Nach „Der unsichtbare Dritte“ wollte er Neuland betreten und den ersten „harten“ Horrorfilm drehen, eine Verfilmung von Robert Blochs Serienkillerroman „Psycho“. Paramount jedoch, das Studio, zierte sich, und die Zensoren zückten die Schere. Hitch aber drehte trotzdem los: einen Film, dessen weiblicher Star Janet Leigh schon nach einer halben Stunde unter der Dusche ein stichhaltiges Ende fand.

Szene aus dem Film HitchcockScarlett Johansson spielt Leigh, eine jener typischen „Hitchcock Blondes“, denen ungebührlich nachgestellt zu haben der Meisterregisseur schon ewig verdächtigt wird. Die Sexualneurosen und Essstörungen Hitchcocks bleiben im Film jedoch bloße Schrulle und dienen als Schnittstelle zur eigentlichen Hauptgeschichte des Films: Darin geht es um das Verhältnis Hitchcocks zu seiner Frau Alma Reville, großartig verkörpert von Helen Mirren. Die Autorin, die seit Stummfilmtagen als kreativer Partner ihres Gatten wirkt, hat die Faxen dicke und strebt nach Autonomie. Der Meister selbst wird eifersüchtig.

Regisseur Sasha Gervasi, der zuvor die brillante Heavy-Metal-Doku „Anvil!“ drehte, laviert in seinem Spielfilmdebüt komödiantisch-rührselig zwischen Lovestory und Hinter-den-Kulissen-Geschichte. Dabei entscheidet er sich aber viel zu oft fürs arg Gefällige. Auch wenn die vielen Verweise aufs Hitchcocksche Werk das Kennerherz des Filmfans erquicken: Allzu viel mitzuteilen über diesen großen Regisseur hat der Film leider nicht.

  



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