KRITIK

Himmel und Huhn

Himmel und Huhn Wie war das noch mit Pixar? Das ist die Firma, die rein computergenerierte
(„CGI“) Trickfilme mit „Toy Story“ populär gemacht, dann mit „Findet Nemo“ den bislang besten Vertreter des Genres produziert hat und schließlich vor knapp zwei Jahren laut verkündete, sich von ihrem langjährigen, mächtigen
Distributionspartner Disney trennen zu wollen. In dieser Woche überrascht jetzt gänzlich neue Kunde das filminteressierte Volk: Disney schluckt Pixar!
Das heißt: Pixar-Filme werden nun gänzlich innerhalb des Disney-Konzerns produziert. Kuriose Wendung, wirklich, aber marketingtechnisch sicherlich profitabel.

CGI-Figuren wird man also demnächst verstärkt durch Disneyworld tapern sehen. Eine davon tut das ganz pixarfrei: Chicken Little, oder deutsch:
Hühnchen Junior sah man in diesen Tagen mehrfach ärmchenrudernd durch diverse Vorpremieren watscheln. „Himmel und Huhn“ ist nämlich die erste
Disney-CGI-Produktion, die ohne Pixar-Beteiligung produziert wurde – und damit, nach den neuesten Entwicklungen, vielleicht ein Einzelfall.

Verwirrt? Verständlich. Auch der Film verwirrt durch Schnelligkeit, so als ob die Disney-Leute etwas verzweifelt den neuen fixen Takt des
nachwachsenden Kinderkinopublikums nachzudirigieren suchten. Die letzten
reinen Zeichentrickfilme („Bärenbrüder“ etwa) waren schließlich weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Hühnchen Junior (Stimme: Kim „NVA“ Frank) lebt in einer schicksalsgeprüften Wohngemeinschaft (Mutter tot) mit dem allein erziehenden Vater-Hühnchen (Stimme: Markus Maria Profittlich). Obendrein ist er ein Spott-Opfer, seit
er vor einiger Zeit sein Heimatdorf grundlos in helle Aufregung versetzte, weil ihm keineswegs ein Alien-Artefakt auf den Schnabel geplumpst war,
sondern bloß eine Eichel. Gemeinsam mit seiner Outsider-Clique (bestehend aus dem fetten Schwein Ed von Speck, dem hässlichen und von Verona Pooth
sehr hässlich synchronisierten Entlein Susi Schnatter und dem durchgeknallten Fisch-im-Taucherhelm Luigi Forelli) ist er beliebte
Zielscheibe beim Völkerball, bis sich das Blatt wendet: Per Zufall und trotz der Tatsache, dass sein Trainer von Boris Becker gesprochen wird, landet Hühnchen einen rettenden Schlag beim Baseball, womit er sich in die Gewinnerregie der Stadt einreihen könnte, würde ihm diesmal nicht schon wieder ein Alien-Artefakt aufs Kopfgefieder fallen. Diesmal in echt. Und natürlich glaubt ihm niemand.

Wie Hühnchen Junior in Kooperation mit seinen Kumpels die vermeintlich todbringende Invasion der Außerirdischen stoppt, das wird mit einer
Atemlosigkeit erzählt, die all jene etwas ratlos zurücklässt, die bei Disney zuvorderst an Bambi denken. Andererseits findet sich in der Fülle an
filmischen, musikalischen und popkulturellen Querverweisen durchaus das ein oder andere Schmankerl. Wenn beim hübsch parodierten „Krieg der Welten“ die hysterische R.E.M.-Hymne „It’s the end of the world as we know it, and I feel fine“ erklingt, während die allesamt tierischen Bewohner des Dorfes panisch durcheinanderlaufen, dann hat das Ganze schon einen herrlich beknackt-grotesken Charme. Natürlich gibt’s auch wieder die übliche
Disney-Portion Rührseligkeit, die sich in einigen (immerhin sehr wenigen) Schmalz-Songs und einer eher pflichtschuldig abgehandelten Vater-Sohn-Vertrauenskrise äußert.

„Himmel und Huhn“, inszeniert von Mark Dindal („Ein Königreich für ein Lama“), wird gewiss nicht als wichtiger Film oder gar Meisterwerk in die Disney-Annalen eingehen. Dennoch ist die Chicken-Klamotte weder langweilig
noch altmodisch, sondern im Gegenteil ziemlich pfiffig. Viel mehr „Shrek“ und „Findet Nemo“ als „Bärenbrüder“ sozusagen. Daran kann Pixar getrost anknüpfen.



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INHALT

Das aufgeschreckte Hühnchen Chicken Little verursacht in seinem verschlafenen Heimatstädtchen eine Massenpanik, als er verkündet, der Himmel würde auf sie stürzen. Da ihm allerdings lediglich eine Eichel auf die Rübe gefallen ist, wird Chicken Little fortan überall als Lügenbold verlacht. Dabei wünscht er sich nichts mehr, als anerkannt zu werden und seinen Vater stolz zu machen. Dies versucht er beim Baseball-Team seiner Schule.
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Eure Kritiken zu Himmel und Huhn

  1. Colonia

    Hölle mit BrathuhnIch gebs ja zu: Mich zieht nichts in diesen Film. Aber man macht sich so seine Gedanken, vor allem, wenn man die annähernd pausenlose „Berichterstattung“ genannte Making-of-Befeuerung mit dem neuen Disney-Werk in den nicht werbefreien Volksverblödungssendern mitbekommt.

     

    Es gibt in Deutschland genau zwei Personen des zu Unrecht für wichtig gehaltenen öffentlichen Medienlebens, die vermutlich immer genannt würden, wenn man eine repräsentative Umfrage mit der Frage startete, wer am allerwenigsten geeignet erscheint, mehr als einen halben Satz geradeaus zu sprechen und/oder (wahlweise), wessen Stimme und Sprache so wenig Ausdruck und Betonung hat, dass ein Stück unbehandeltes Holz dagegen ein Goetherezitator ist.

     

    Gemeint sind Bobbele Becker und Verona-ex-Feldsalat.

     

    Welcher taube Superwerbestratege kommt denn wohl auf die glorreiche Idee, nun ausgerechnet diese beiden Artikulationsgranaten und facettenreichen Stimmakrobaten einen Film synchronisieren zu lassen?! Kann mir das mal einer erklären? Bitte!

  2. Stefanie

    Nicht so schlecht, wie viele Kritiker schimpfen. Witzig animierte, witzig designte Figuren. Alles in allem sehr liebenswert. Ein paar Alien Filmzitate mehr hätten nicht geschadet. Weniger Disney Rührseeligkeit wäre auch wünschenswert gewesen. Disney war schon weitaus besser, aber auch weitaus schlechter. Das gute Mittelmaß ist eine gerechte Bewertung

  3. Frau

    Nicht so schlecht, wie viele Kritiker schimpfen. Witzig animierte, witzig designte Figuren. Alles in allem sehr liebenswert. Ein paar Alien Filmzitate mehr hätten nicht geschadet. Weniger Disney Rührseeligkeit wäre auch wünschenswert gewesen. Disney war schon weitaus besser, aber auch weitaus schlechter. Das gute Mittelmaß ist eine gerechte Bewertung

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