KRITIK

Hilde

Hilde Hildegard Knef wurde 1925 in Ulm geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog sie mit ihrer Mutter Frieda nach Berlin. Sie starb am 1. Februar 2002 im Alter von 77 Jahren an den Folgen eines Lungenemphysems, unter dem die Kettenraucherin seit Jahren gelitten hatte. Und natürlich hat „die Knef“, verkörpert von Heike Makatsch, in fast jeder Szene im Film eine Zigarette in der Hand. Doch in der filmischen Biographie, kurz BioPic genannt, geht es nicht um Süchte, Krankheiten oder Schicksalsschläge wie beispielsweise in der Edith Piaf-Biographie „La vie en rose“. Im Film des deutschen Regisseurs Kai Wessel geht es um wichtige Entscheidungen, um Hildegard Knefs Durchsetzungsvermögen. Wessel versucht anhand eines Zeitspiegelbildes der Jahre 1944 bis 1964 herauszufinden, was Hildegard Knef wirklich wollte und vor allem wie sie es durchzusetzen versuchte. Diese Frau mit der rauchigen Stimme, den eigentümlichen Augen mit den schwarzen, buschigen Kunstwimpern, die deutsche Diva, frühe Provokateurin und eigenwillige Chanteuse. Die wichtigsten Abschnitte in diesem bebilderten Zeitraum werden, wie in so vielen BioPics üblich, anhand eines filmischen Mosaiks, in verschiedenen Abschnitten ohne einen chronologischen roten Faden erzählt.

So beginnt der Film mit dem wichtigen Auftritt von Hildegard Knef in der Berliner Philharmonie 1964, um diese Szene mit den Anfängen ihrer Schauspielkarriere bei der UFA gegen zu schneiden. Ein cleveres filmisches Stilmittel. Der Zuschauer verliert durch die Zeitsprünge nie an Aufmerksamkeit. Dies könnte aber auch an der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Heike Makatsch liegen. Ein Jahr soll sie für ihre Rolle Gesangsunterricht genommen haben. In vielen Szenen kommt sie der wahren Hilde mit ihrer Stimme, ihrem Lachen und ihren Gesten verdammt nah, auch wenn sie dabei stets Heike Makatsch bleibt. Würde man filmische Biographien auf die Frage der Herangehensweise oder der Überzeugungskraft der/des Hauptdarstellers/in hin untersuchen, wäre „Hilde“ ein großartiger Film geworden. Doch groß ist hier nur die Figur um die es geht, der Film ist es leider nicht.

Obwohl Kai Wessels Film in langen 136 Filmminuten grandios den Zeitgeist aufblitzen lässt, lässig in Dekors und Kostümen schwelgt und die Sixties-Ästhetik einer Garderobe einfängt, als hätte er nie etwas anderes getan als Geschichten aus den 60ern nachzuerzählen, bleibt dem Zuschauer die Person Hilde seltsam fern. Kein Fehler der Wahl der Mittel sondern ein Fehler des Einsatzes der Mittel. Wenn er die Entscheidungs- und Durchsetzungskraft seiner Figur hervorheben will, sollte er auch die ganze Bandbreite dieser Entscheidungen und ihrer Folgen beleuchten. Doch das tut er nicht. Wessels Film federt jede Abwärtsbewegung nach ein paar Sekunden ab und beschreibt ansonsten eine Erfolgskurve. Angeblich soll Hildegard Knef in ihrem Leben öfter pleite gewesen sein, nur merkt der Zuschauer davon nichts. „The good feeling keeps on going“. Wie so viele andere Filmemacher schielt auch Kai Wessels hier zu oft auf Hollywoodvorbilder und bebildert das Leben eines großen deutschen Stars mit amerikanischen Mitteln. Eine große Verbeugung vor Hildegard Knef ist der Film, ein zu Herzen gehender Film ist es nicht.



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INHALT

Hildegard Knef, eine Ikone des Films und Gesangs, von ihrem deutschen Publikum gleichermaßen geliebt und gehasst, hat stets eines getan: Sie ist immer ihren eigenen Weg gegangen, selbst wenn sie sich dabei auch einmal selbst verloren hat. Und der hat sie nach Hollywood und wieder zurück geführt, daneben oft auch in die Arme der falschen Männer. Inmitten des zerbombten Berlins baute sie ihre Schauspiel- und zuletzt ihre Gesangskarriere auf, immer im Kampf gegen ihren Ruf der Verruchtheit, den ihr neben ihrem selbst bestimmten Lebensstil auch filmische Nacktszenen einbrachten.
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Eure Kritiken zu Hilde

  1. RobbyTobby

    Heike Makatsch überzeugt auf ganzer Linie. Erst in der zweiten Hälfte fällt der Film etwas ab, weil er zu viel erzählen will. Alles in allem aber ein sehenswerter Film mit einer überragenden Hauptdarstellerin.

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