KRITIK

Herzensbrecher

Filmplakat HerzensbrecherFrancis und Marie sind beste Freunde. Sie könnten ein Paar sein, wäre Francis nicht schwul. Dann treffen die beiden 20-jährigen Studierenden auf Nicolas, einen androgynen Engel in Blond. Eine Feuerprobe: Beide verlieben sich in ihn und müssen Eifersucht mit Freundschaft abwägen. Francois Truffauts „Jules & Jim“-Prinzip ist das, eine Ménage à troi, lediglich auf der Geschlechter-Achse verschoben: Im amourösen Trio ist nicht mehr das Mädchen das Objekt der Begierde, sondern einer der beiden Jungen.

Der 21-jährige, kanadische Regisseur Xavier Dolan (der auch Francis spielt) inszeniert seine „Les amours imaginaires“, wie der Film im Original heißt, aufreizend unbekümmert. Mit Rückgriff auf die ästhetischen Codes von Vorbildern wie Godard, Almodóvar oder Wong Kar-wai zelebriert er die Oberflächen, Frisuren, Klamotten dieses Studentenmilieus, weniger zornig zwar als in seinem Debüt „I Killed my Mother„, aber ebenso eigenwillig: mit Zeitlupen, Zooms und Kitsch-Effekten.

Szene aus dem Film HerzensbrecherIn Dolan jedenfalls, der bei den Filmfestspielen in Cannes 2010 mit seinem zweiten Spielfilm der jüngste Regisseur im offiziellen Wettbewerb war, hat das kanadische Kino einen ebenso eitlen wie aufregenden neuen „Auteur“ gefunden: Was zunächst seicht erscheint, erweist sich bald als kluge Reflexion über das Verliebtsein als Zeichensystem. Sehenswert.

Herzensbrecher



Sascha Westphal
epd film, Die Welt, FR
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 





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INHALT

Francis und Mary sind verschworene Fashionistas und beste Freunde. Eines Nachts begegnen sie Nick, der gerade nach Montreal gezogen ist. Beide sind hin und weg. Ein Ausflug aufs herbstliche Land soll die Entscheidung bringen. Es ist der Gipfel eines Liebesduells, das die Freundschaft des Trios aufs Spiel setzt.
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Eure Kritiken zu Herzensbrecher

  1. tine

    bin genauso bergeistert wie von dem erstling „i killed my mother“ … was für ein stilgefühl! in allem: kamera, musik, bild, farbe, kostüm, text (syncronisiert gesehen da des französischen nicht mächtig, aber auch da überzeugend), all seine kinozitate … ich freue mich sehr auf weitere werke!

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