KRITIK

Herz ist ein dunkler Wald, Das

Herz ist ein dunkler Wald, Das Um dem Niedlichkeitsverlust vorzubeugen, versucht sich die als ewig Niedliche bekannte Schauspielerin Nicolette Krebitz („Der Tunnel“) seit geraumer Zeit im Regiefach. Nach ihrem belanglosen Erstling „Jeans“ konnte man das, was sie jetzt vorlegt, allerdings kaum erwarten.

„Das Herz ist ein dunkler Wald“ beginnt als psychologisch präzises Familiendrama, sorgfältig und wortkarg inszeniert im Geiste der so genannten „Berliner Schule“: Eine Hausfrau (Nina Hoss) entdeckt per Zufall, dass ihr fideler Musiker-Ehemann (Devid Striesow) ein paar Straßen weiter eine Zweitfamilie unterhält.

Dann aber ändert Krebitz` selbst verfasster Film seinen Ton und seine Richtung und huscht, als sei die Regisseurin frei assoziativ all ihren Ideen gefolgt, als surrealistisches Traumspiel über einen grotesken Maskenball. Otto Sander schickert sich durch dieses Kubricksche „Eyes Wide Shut“-Szenario ebenso wie Kunstbuch-Verlegerin Angelika Taschen.

Monica Bleibtreu irrt als schräge Omma durch die Partyküche, und Maler Jonathan Meese steigt als Miniatur-Jesus vom Kreuz herab. Erst am Ende trübt sich alles wieder ein: Die Hoss wird zur Medea, entkleidet sich, wälzt sich durch gefallenes Blätterwerk und nähert sich schließlich splitterfasernackt, per Bus und zu Fuß, der finalen Familienvernichtung.

Euripides trifft Traumnovelle: „Das Herz ist ein dunkler Wald“ gehört zweifellos zu den seltsamsten Erzeugnissen des aktuellen deutschen Kinos und gerade wegen seiner zahlreichen Brüche, Inkongruenzen und Stilregisterwechsel auch zu den aufregendsten. Eine faszinierend unkonventionelle Tragödie ist der Krebitz da gelungen – mit einer grandiosen Nina Hoss, die hier ihre geisternde „Yella“ aus dem letzten Jahr, dezent und reizvoll variiert, fortzuspielen scheint. Sehenswert.



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