KRITIK

Herz aus Stahl

Bild (c) 2014 Sony Pictures.

Bild (c) 2014 Sony Pictures.

Das neue Jahr könnte man mit ausgedehnten Spaziergängen beginnen, mit Museumsbesuchen oder gefeierten Filmen wie Roy Anderssons „Die Taube sitzt… „. Oder aber man rollt mit Brad Pitt im Panzer durch das verwüstete Deutsche Reich in der Endphase des Zweiten Weltkriegs und lässt sich Blut und Hirn nur so um die Ohren spritzen. Ein derart fragwürdiges Vergnügen bietet „Herz aus Stahl“: ein Antikriegsfilm, der durchaus irritiert.

Denn zuletzt hatte es sich auf der Leinwand eingebürgert, von den Schrecken des Krieges nur mittels ironischer Distanzierung („Three Kings“, „Inglourious Basterds„) zu erzählen: Worüber man lacht, das hält man sich fern. David Ayers „Herz aus Stahl“ walzt nun durch verheerte Landstriche, als habe sich seit Robert Aldrichs „Das dreckige Dutzend“ im Kriegsfilmgenre nicht allzu viel getan. Eine Handlung gibt es kaum, es zieht ein ruppiges Trüppchen amerikanischer Soldaten durchs im April 1945 längst nicht mehr zu rettende Deutschland. Scharmützel folgt auf Scharmützel, am Ende dann der Kampf gegen mehrere Hundert Wehrmacht-Soldaten, doch Erlösung gibt es nicht. Darin liegt der Unterschied zu den heroischen Kriegsfilmen älterer Tage: Die Feier des Krieges, die Hymne an die Soldatenehre fällt aus, es bleibt realistisch abgefilmter Schrecken.

Szene_Herz_StahlImmerhin, die Typen sind markig: Pitt spielt den Kommandanten, der von allen „Wardaddy“ gerufen wird, als post-ironische Gegenfigur zu seinem Aldo Raine aus „Inglourious Basterds“. Der erwachsen gewordene „Transformers„-Held Shia LaBeouf gibt den Kanonier. Und als eine Art Identifikationsfigur für die Zuschauer tritt Teenie-Star Logan Lerman („Percy Jackson“) als Greenhorn Cobb auf: Am überraschend konsequenten Ende wird er alle Ideale verloren haben.

Regisseur David Ayer, der zuletzt den Schwarzenegger-Murks „Sabotage“ drehte, inszeniert das zerbombte Dritte Reich in aschfahlen, matschgrauen Bildern, so dass das sehr reichlich fließende Blut umso greller darin leuchtet. Mit Ausnahme einer ausgedehnten, leider etwas stereotyp angelegten Sequenz im Mittelteil, in der Wardaddy mit Cobb in einer eroberten Kleinstadt einen verdächtig entspannten Abend mit zwei Frauen verbringen, regiert im Film der technisierte Blick aufs Kampfgeschehen. Die Binnensicht aus der Klaustrophobie eines Kampfpanzers im Gefecht überträgt sich durchaus beklemmend auf die Zuschauer: Das ist Action, die niemandem mehr Freude bereitet. Die übertrieben pathetische Musik erzählt leider eine völlig andere Geschichte.

 




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