KRITIK

Herr der Ringe – Die Gefährten, Der

Herr der Ringe – Die Gefährten, Der Es ist wieder bewiesen: Des Menschen Phantasie ist wohl sein wunderbarster Schatz; und dessen geheimnisvoller, unfassbarer Glanz wird stumpf, versucht ein anderer, die gewaltigen, stillen, lauten, bunten, wilden, zarten Innenbilder in äußere, für alle sichtbare Bilder zu fixieren. Die Bilder innen sind vielleicht allein durch die abstraktere Sprache in neue innere Bilder zu transportieren, der Film, die Bilderwelt schlechthin, kann das nicht.

Doch damit war bei der Verfilmung der Tolkienwelten zu rechnen, die über tausend Seiten umfassende Trilogie wiedersetzte sich spielend ihrer schlichten Übersetzung in grandiose Naturbilder oder raffinierte Computerraumsimulationen. Was aber wäre möglich gewesen? Die moderne Adaption der alten Gut gegen Böse Geschichte wäre die spannendste Variante geworden, die Verfremdung des Fremden die anspruchsvollste, die Nacherzählung eine, die einen Routinier der Bildersprache verlangt hätte. Und weil die Filmindustrie mit ersteren beiden Varianten kein Geld verdient, wurde die Nacherzählung gewählt, als Erzähler der hoffnungslos überforderte Neuseeländer, Peter Jackson; kein Mann der Routine.

Überfodert, weil er eine millionenfach gelebte Phantasiewelt nicht allein in braver Nettigkeit erzählt, sondern sich zu deutlich auf die Bilder verläßt, die andere vor ihm schon längst in allen anderen Filmen vorerzählten: die Bösen sehen wie die Bösen in allen anderen Filmen aus, die Guten desgleichen, die Schönen sind natürlich immer schön im sphärischen Gegenlicht, in Seichtklänge eingehüllt; und wenn Tolkiens Bilder zu wenig Pop, zu wenig Erotik oder zu wenig Blutrünstigkeit haben, werden sie einfach mit Pop, (steriler) Erotik und langweiliger Blutrünstigkeit aufgepeppt und damit teilweise grundsätzlich verfälscht (so die frei erfundene Liebesbeziehung Aragorn zu der Elbin Arwen, die letztere offenbar geschlechtsumgewandelt bei Tolkien Glorfindel heißt und ein Elbenmann ist).

Das vorgeblich Spektakuläre – Verfolgungsjagden sind in jedem Heldenkino eine immer wieder neu aufgetischte Variante des Kampfes, seien sie nun zu Wagen, Pferd oder Auto unternommen – wird in Zeitlupenlänge gezogen, Freundschaftsbekundungen in Liebesflüstern vor schräg einfallendem Hintergrundleuchten umgedeutet oder anomymes, massenhaftes Gemetzel als rivalisierende Zweikämpfe inszeniert. Was von der Werktreue erwartet werden kann – wenn eben schon nur nacherzählt wird – zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass der andeutungsvolle doch offene Schluss des ersten Buches im Kino mit Erzählstücken aus dem zweiten Teil geschlossen wird: Offenbar wird den Zuschauern nicht zugetraut, auf die Beantwortung der Fragen nach dem Warum bis zum zweiten Teil im Dezember 2002 zu warten … wobei die meisten ohnehin wissen, was nach Boromirs Versuchung geschah.

Keine Nacherzählung auch deswegen, weil nicht einmal der Versuch unternommen wurde, die zahllosen Gedichte und Lieder der Menschen und Fabelwesen in den Film zu bringen. Denn wird es anspruchsvoll, Tolkiens Welt in Bilder zu übersetzen – so fehlt beispielsweise die Episode im Alten Wald und die Begegnung der Hobbits mit Tom Bombadil – kneift Jackson; seine Bilder bringen es auf Mumien-, Star Wars-, Alien- oder Unendliche Geschichte-Niveau; was, mit Blick auf die Simulation der finsteren Minen von Moria, durchaus überzeugend sein kann.

Wurde man gefesselt? Zu Tränen gerührt? Zum Lachen verführt? Gab es Erschrecken, Abscheu, Zuneigung? Nichts davon. Der 178 min. Spielfilm war nicht lang, nicht kurz, er ist schlicht und längst vorbei. Vielleicht haben ja doch all die Recht, die sagen, Tolkiens Roman sei nicht mehr als ein überlanges Märchen, dessen Faszination im wesentlichen darin bestehe, dass man in ihm länger als sonst in einem Buch auf der Reise durch eine Welt sein könne, in der das Gute über das Böse siegt und der Himmel dort ist, wo man ihn immer schon vermutete: oben.



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INHALT

Irgendwann vor langer Zeit, irgendwann in weiter Zukunft läßt J. R. R. Tolkien in seiner 1957 erschienen Romantrilogie die Welt, und hier genauer „Mittelerde“, von der immer präsenten dunklen Macht bedroht sein.
Zwar schien das Böse in alten Schlachten endgültig geschlagen, doch vor allem die Gier einzelner, mächtiger Menschen verhinderte den endgültigen Sieg über den Fürsten der Dunkelheit: Sauron. Der schmiedete vor Unzeiten einen Ring, den mächtigsten, beherrschensten aller magischen Zauberringe auf Mittelerde, eben den Herrn der Ringe.
In der Schlacht wurde er dem dunklen Fürsten genommen und er wurde verloren, nur noch in alten Sagen erinnert. Doch der Ring wollte gefunden werden, wurde es nach langer Zeit und gelangte schließlich in die Hände des reisenden und dichtenden Halblings oder Hobbits Bilbo Beutlin. Und weil dieser den Ring für kleine naive Zaubereien benutzte, entdeckte ihn das furchtbare Auge Saurons wieder und Sauron wuchs und gierte nach dem Ring, mit dessen Macht er die Welt endgültig unter seine Herrschaft würde bringen können.
Das war allein dadurch zu verhindern, wenn der Ring im Feuer des Schicksalsberges, in dem er geschmiedet wurde, geschmolzen, also vernichtet würde.

Die drei Bücher Tolkiens berichten von dem Abenteuer dieser verzweifelten Rettung, von der Reise des jungen Hobbits und Ringträgers Frodo ins furchtbare Land Mordor, vor das Angesicht Saurons. Teil 1, Die Gefährten, ist Exposition und Darstellung der ersten Abenteuer Frodos und seiner Gefährten: Menschen, Hobbits, Elben, Zwerge, Zauberer. Der erste Teil endet mit dem Zerfall der Gemeinschaft.
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Eure Kritiken zu Herr der Ringe – Die Gefährten, Der

  1. Unbekannt

    Besser gehts wohl nicht mehr. Da ist alles drin, was man von einer Verfilmung dieses Klassikers erwarten konnte!

  2. Julia

    Wirklich gut, aber…nicht ab 12!!! Dieser Film geht unter die Haut und ist an Bildgewaltigkeit kaum zu übertreffen. Manchmal habe ich mich allerdings bei diversen Vergleichen ertappt. So erinnert mich vieles an Star Wars (Liebesszene), Sleepy Hollow (schwarze Reiter) oder Braveheart (Kampfgetümmel). Nichtsdestotrotz ein sehr ergreifender Film, der sicher so manche Auszeichnung abräumen wird.

  3. Ralf

    Für die Fans ist es eine..gute Umsetzung, für die Nicht-Tolkien-Leser ein sehr guter Film. Das liegt in meinem Fall, dem Nicht-Tolkien-Kenner, an der herausragenden Stimmung des Filmes. Man spürt von der ersten bis zur letzten Sekunde die schwere Last auf den Schultern der Hobbits als sie erfahren, dass das Böse schon auf dem Wegh zu ihnen ist. Peter Jackson hat weggelassen und hinzuaddiert. Und das so behutsam, dass die Welt Mittelerdes so behutsam auf das Abenteuer eingestimmt wird, das selbst der Kinobesucher in der letzten Reihe das Böse im Nacken spüren kann. Für mich deshalb ein unglaublich guter Film.

  4. Bioscoop

    Kritik zur mehrfilm-KritikDer Film sprengt alle Vorstellungskraft und reißt alle Zuschauer in seinen Bann. Angefangen von dem hervorragenden Soundtrack, über die einmaligen Tricks (u.a. Hobbits auf die Größe normaler Menschen zu schrumpfen) bis hin zu den wirklich überaus gelungenen Masken – dieser Film läßt selbst „Unwissende“ nicht unberührt. Die Geschichte ist Dank vieler Erklärungen leicht zugängig und die Umsetzung des ersten Buches läßt keine Wünsche offen! Ein MUß für alle Kinofans!!!!
    Zusatz zur mehrfilm-Kritik:
    Ich finde die Kritik von Benedikt Kraft einfach unpassend – das Böse wird auch im Buch böse dargestellt und reichhaltig beschrieben, ebenso bei dem Guten und Schönen. Zwar ist der elbische Reiter im engl. Original wirklich männl. Geschlechts, doch Arwen taucht als Elbin auch auf, wenngleich in kleiner Rolle. Ich finde, Peter Jackson hat die Buchvorlage sehr gut umgesetzt, alle Möglichkeiten einer filmischen Umsetzung ausgeschöpft, auch wenn dadurch ein paar Passagen weichen mussten. Vor allem die Stimmung trifft er genau, wozu (leider) auch blutrünstige Schlachten und Verfolgungsjagden gehören, wie es sie im Buch genau in dieser Intensität auch gibt. Desweiteren ist die Auslassung der Gedichte und Lieder kein wirklich schrecklicher Fehler, sind diese Elemente „nur“ zur Verdeutlichung der Stimmungslage und zur Unterhaltung gedacht, beinhalten aber nicht wirklich unmissbare Informationen. Der Film bleibt trotzdem nah am Buch und die äußerst negative Kritik von Benedikt Kraft ist in meinen Augen übertrieben. Natürlich kann kein Film den Erwartungen und den Phantasien aller Leser gerecht werden. Welcher Film kann das schon? Selbst eingefleischte HdR Fans finden das Ergebnis mehr als gelungen, den Meinungen kann ich nur beipflichten!!! Also, laßt Euch nicht abschrecken- es lohnt sich wirklich!!!

  5. Andreas

    ArschgeilIhr verzeiht hoffentlich den Ausdruck, aber ich fand den Film wirklich richtig genial und denke das er in der mehrfilm Kritik auch zu schlecht wegkommt. Er war wirklich fesselnd. @Julia: Sehr düster, ja, noch wesentlich stärker als erwartet, aber ich was die Altersfreigabe angeht liberal 😉

  6. barchetta

    super UnterhaltungEin toller Streifen;

    sehr stimmungsvoll während der

    ganzen 3 Stunden! Langeweile kommt da

    bestimmt nicht auf! Den 2.

    Teil sehe ich mir auf

    jeden Fall auch an.

  7. dapreeze

    Desillusionierung …… kommt von Illusion. Wer das Buch von Tolkien fuer ein literarisches Meisterwerk haelt und sich nicht freut, sondern aergert, dass er in der Verfilmung nicht auch mit endlosen Landschafts- und sonstigen Beschreibungen nebst Gedichten (in elbisch!?) gequaelt wird, der muss vom Film enttaeuscht werden. Ich dagegen freue mich, dass der Film Fantasy-Action vom Feinsten (aber doch nicht revolutionaer – Fantasy bitte nicht mit Phantasie verwechseln!) aus dem Buch destilliert und – von zwei, drei Heulszenen abgesehen – den ganzen Ballast weglaesst. Kann man sich sehr gut ansehen.

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