KRITIK

Her

Bild (c) Warner Bros. Germany.

Bild (c) Warner Bros. Germany.

In naher Zukunft, sie sieht bekannt aus: Niemand raucht, die Menschen kleiden sich wie in einer Google-Reklame, und alle regeln ihre Dinge ausschließlich übers Smartphone. Einsam sind sie womöglich trotzdem, obgleich es nicht so aussieht im künftigen Los Angeles, das im Film vom heutigen Shanghai gedoubelt wird.

In Spike Jonzes Science-Fiction-Romanze – jüngst mit dem Drehbuch-Oscar ausgezeichnet – steht ein solcher Einsamer im Mittelpunkt: Der schnauzbärtige Enddreißiger Theodore Twombly (wieder einmal großartig: Joaquin Phoenix aus „The Master“). Theodore schreibt als Autor der Website „beautiful-handwritten-letters.com“ persönliche Briefe für andere Leute. Und auch sonst treibt er eher als Zuschauer durchs Leben. Seit seiner Scheidung von Gattin Catherine (Rooney Mara,“Verblendung“) wirkt er schwermütig. Auch die nette Nachbarin (Amy Adams, „American Hustle“) und ein heißes Blind Date (Olivia Wilde, „Rush“) holen ihn nicht aus seiner Lethargie heraus.

Szene_HerWas kann helfen? Oder wer? Muss erst die Technik kommen, in Form des brandneuen Betriebssystems auf seinem Smartphone? Dieses kommuniziert unter dem Namen „Samantha“, und zwar mit der verraucht-verführerischen Stimme, in der Originalfassung gesprochen von Scarlett Johansson. Samantha jedenfalls agiert als Künstliche Intelligenz: „Sie“ sammelt und durchforstet Daten, lernt, wendet an und lernt dann noch mehr. So passt sie sich an Theodores Bedürfnisse an, idealer als jede reale Frau es jemals tun könnte. Logische Folge: Theodore verliebt sich in Samantha, Samantha verliebt sich in ihn.

Bei aller Skurrilität nimmt Autor und Regisseur Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) die unmögliche, aber gar nicht mal so aus der Luft gegriffene Beziehung ernst, ohne dabei auf kritische Spitzen zu verzichten. Denn natürlich eignet sich diese melancholisch-ironische Mensch-Computer-Liaison bestens dazu, unsere auch heute schon beträchtliche Abhängigkeit von fremdprogrammierten Gerätschaften aller Art zu hinterfragen. Phoenix und Johansson jedoch muss man dafür preisen, dass sie mit Blicken (er) und Stimme (sie) eine wahrlich denkwürdige Liebesgeschichte daraus machen. Ein berührenderes Kino-Paar gibt es in diesem Kinofrühling jedenfalls nicht zu sehen. Sehenswert.

 

 

 



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INHALT

„Her“ spielt in naher Zukunft in Los Angeles: Der hochsensible Theodore (Joaquin Phoenix) lebt davon, anrührende persönliche Briefe für andere Menschen zu verfassen. Seine gescheiterte langjährige Beziehung hat ihm das Herz gebrochen – umso aufgeschlossener reagiert er auf sein neues Betriebssystem, das ihm als intuitive, eigenständige Persönlichkeit angepriesen wird. Als Theodore das System startet, lässt er sich von „Samanthas“ freundlicher Stimme (Scarlett Johansson) bezaubern, denn sie stellt sich mit viel Verständnis, Sensibilität und erstaunlichem Humor auf ihn ein. Samanthas und Theodores Bedürfnisse und Sehnsüchte ergänzen sich, entwickeln sich weiter, ihre Freundschaft wird intensiver – bis sie sich schließlich ineinander verlieben. (Text: Warner Bros. Germany)
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Eure Kritiken zu Her

  1. Reingehen!

    Unbedingt sehenswert, nich nur sondrn auch wegen Joaquin Phoenix. Nicht verpassen!

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