KRITIK

Helen

Helen Fast ein Jahr wurde der neue Film von „Bella Martha“-Regisseurin Sandra Nettelbeck geschoben – als hätten die deutschen Verleiher geahnt, dass ihr Film nun, nach Robert Enkes Selbstmord, zu einem Zeitpunkt starten würde, an dem zumindest momentweise eine Krankheit diskutiert wird, die ansonsten strikt tabu ist: Depressionen.

Sandra Nettelbeck geht das Thema nüchtern und schonungslos an, Heiterkeits-Vorlauf gibt es nicht. Helen, die von Ashley Judd („Crossing Over“) eindringlich verkörpert wird, ist schon von Beginn an krank – obschon sie eine erfolgreiche Professorin ist, einen liebenden Mann hat, eine patente Tochter, sorgende Freunde und keinerlei traumatische Vorbelastungen. Die Depressionen kamen plötzlich, jetzt werden sie immer stärker. Wie ein Protokoll des seelischen Niedergangs und der Entfremdung präsentieren sich die folgenden, in ausgebleichten Farben etwas zu sorgsam inszenierten Szenenfolgen.

Der distanzierte Blick, der keinerlei erläuternde Einblicke in Helens Psyche gewährt, ist das Stärkste an Nettelbecks Film. Auch verkauft er die Elektroschockbehandlung, die hier am Anfang einer (möglichen) Heilung steht, nicht als der Weisheit einziger Schluss. Leider bedient sich die Geschichte in der zweiten Hälfte, wenn Helen Halt bei einer gleichfalls erkrankten Studentin sucht, zu stark an der Konventionalität herkömmlicher Liebesfilmdramatik. Zwar mag bei der Inszenierung geholfen haben, dass ihre Hauptdarstellerin Ashley Judd selbst wegen Depressionen in Behandlung war. Und sie sich während der Dreharbeiten angeblich im Krankenhaus eine Entzündung eingefangen haben soll. Doch sie schick-melancholischen Interieurs an der Küste von Vancouver wirken stets eine Spur zu pittoresk, um letztendlich überzeugen zu können.



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INHALT

Helen hat all das wovon viele nur träumen - eine wunderbare Tochter, einen liebevollen Ehemann, sie hat Erfolg im Beruf und steht im Mittelpunkt eines großen Freundeskreises. Doch als sie Depressionen bekommt, droht sie den Halt zu verlieren. Mann. Freundeskreis. Familie. Es gibt niemanden, der sie auffangen könnte. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich von allen ab, die sie lieben.
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