KRITIK

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Bild (c) Wild Bunch.

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Was ist Glück? Nicht nur in westlichen Industriestaaten begibt man sich gerne auf die Suche nach Antworten auf diese Frage. Bücher zum Thema werden zahlreich verkauft. Erbauungsliterat François Lelord schickte seinen Roman-Serienhelden Hector, einen zweifelnden Psychiater, 2002 auf eine weltumspannende „Suche nach dem Glück“. Eine Reise, die sich im (erfolgreichen) Buch als Kalenderspruchsammlung auf Glückskeksniveau präsentierte. Nun hat der Brite Peter Chelsom, zuletzt Regisseur von „Hannah Montana“-Teeniekommerz, den Bestseller als bebilderten Urlaubsprospekt verfilmt.

Hector lebt zwar, weil von Komiker Simon Pegg („Paul“) gespielt, in London, doch wie im Buch ist er angeödet von den Luxusproblemchen seiner Patienten und trotz schöner Freundin und Luxusloft selbst deprimiert. Die Weltreise nach China, Afrika und Amerika, die sich nun anschließt, wird von Chelsom als Episödchenreigen in Werbeoptik inszeniert: Mal wird das Glück spirituell, mal ganz handfest definiert, aber immer ist es seicht genug für ein einverständiges Abnicken. Eingestreut sind Kurzauftritte geschätzter Darsteller wie Jean Reno oder Christopher Plummer. Auch Veronica Ferres schaut kurz vorbei: Es steckt deutsches Geld im Film.

Szene_Hectors_Reise„Hectors Reise“ ist ein weiteres Beispiel für jene Art genormter Wohlfühlfilmware, die das Mainstreamkino seit Jahren im Klammergriff hält: erst weinen, dann schmunzeln, danach ein Weinchen. Der Film nimmt dabei selbst die Haltung eines Touristen ein, der im Bus mit getönten Scheiben durch Elendsviertel kurvt, die populärsten Weisheiten fremder Kulturen beklatscht und dabei doch nie Zweifel hat, dass es zu Hause am schönsten ist.

Hector landet mit einer Chinesin im Bett, isst Eintopf mit armen, aber natürlich glücklichen afrikanischen Kindern – und reist stets nur in der Möglichkeitsform. Es ist keine Suche nach dem Glück, denn seine Suche soll nur bestätigen, dass er bisher letztlich doch alles richtig gemacht hat. Ein Selbstvergewisserungsfilm für saturierte Wohlstandsbürger.

 




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