KRITIK

Harte Jungs

Harte Jungs Produzent Bernd Eichinger hatte mit einer thematisch ziemlich verwandten Geschichte schon einmal zu tun, als er 1987 Doris Dörries „Ich und Er“ produzierte. Damals stand eine Erzählung Alberto Moravias Pate. Jetzt haben Produzent Eichinger und Regisseur Marc Rothemund ihre Story gemeinsam entwickelt und der Brite Granz Henman („Der Eisbär“) lieferte das leichtgewichtige Drehbuch dazu. Viel zu viel ist darüber schon gefachsimpelt worden, dass jeder Mann ein Alter Ego zwischen den Beinen mit sich herumträgt. Regisseur Marc Rothemund treibt diese latente Furcht vor maskuliner Schizophrenie nun auf die Spitze, indem er des Mannes bestes Stück zum vollwertigen Gesprächspartner erhebt. Und um nicht lange um den heißen Brei herum zu reden: „Harte Jungs“ ist definitiv als deutscher „American Pie“-Abklatsch zu verstehen, also die einheimische Antwort auf den eigenen Verleihhit der Constantin Film AG.

Florian, hier nur kurz Flo (Tobias Schenke) genannt, hat sich in das blondeste Mädchen der Schule verguckt. Da er aber total unerfahren ist, nimmt er bei seinem besten Kumpel Red Bull (Axel Stein) Nachhilfe. Darüber hinaus vergisst er allerdings Lisa (Luise Helm), seine weniger attraktive aber beste Freundin. Sein „bester Freund“ dagegen, der sich eines Morgens zu Wort meldet, tut alles, um nicht aus dem Bewusstsein zu verschwinden. Er steht sozusagen auf gegen das Vergessen.

Das Strickmuster der Geschichte ist simpel und alles andere als innovativ: Unbeholfener Teenager verliebt sich in arrogante Schönheit mit Freund vom Kaliber Arschloch. Doch aus diesem einfachen Muster entwickelt sich nach und nach so etwas wie Witz, der allerdings auch den bekannten „Pauker“-Filmen der frühen siebziger Jahre entstammen könnte. Liefert uns Marc Rothemund nach seinem „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ hier einen erneuten Beweis, dass Deutschland immer noch zu den Entwicklungsländern in punkto Humor zählt? Nein. Ein kleines Trostpflaster sind die Darsteller. Tobias Schenke als Flo kämpft mit unverbrauchtem, frechem Gesicht gegen die Story an, kann hinreißend verstört gucken und bezaubernd lächeln. Sissi Perlinger und Stefan Jürgens chargieren ihr Spiel als bemühte Eltern zwischen routiniert-offen und gleichzeitig spießig-verklemmt. Assistiert wird Tobias Schwenke von seinem „Best Buddy“ Red Bull, den Axel Stein als knubbeligen, liebenswerten und besserwissenden Freund gibt. Axel Stein verleiht seiner Darstellung eine gehörige Portion übertriebenen Humor und schafft es, durch sein unnachahmliches komödiantisches Talent seiner Figur die Ernsthaftigkeit zu nehmen.

„Harte Jungs“ ist eine unterhaltsame, flott inszenierte und nie schlüpfrig kleine Komödie, die zwar unter der Gürtellinie spielt, ihr Geschmacksniveau aber oberhalb dieser Sicherheitsgrenze hält. So kann man am leichtesten Witz und sorglosen Amüsement seinen Spaß haben.



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INHALT

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