KRITIK

Happy-Go-Lucky

Happy-Go-Lucky Die Frau heißt Pauline, wird aber von allen nur Poppy genannt, und das passt. Wer so unerschütterlich guter Laune ist wie diese Grundschullehrerin aus Nord-London, der verdient auch einen Namen, der nach Erfrischungslimo im Freibad klingt. Poppy, diese Big Miss Sunshine, lässt sich von keinem Griesgramgesicht um sie herum erschüttern. Und wenn ihr doch mal etwas Ärgerliches passiert – wie der Diebstahl ihres geliebten Fahrrads – seufzt sie nur: „Und ich konnte mich noch nicht mal verabschieden.“

Schlimmer aber wird`s nicht. Poppy geht mit Freundinnen trinken, nimmt Fahrstunden, tanzt Flamenco, verliebt sich und bleibt optimistisch. Irgendwas kann da nicht stimmen.

In den Wettbewerb der diesjährigen Berlinale mit all seinen Elendsgeschichten platzte Mike Leighs Film wie ein rosaroter Farbbeutel auf eine graue Plattenbau-Fassade. Allein dem Charisma der Hauptdarstellerin Sally Hawkins konnte sich kaum einer entziehen. Hawkins ist als Poppy eine Wucht, nervig, strahlend, überdreht und so ansteckend lebenslustig, dass selbst ihr Fahrlehrer, ein Rassist und Pessimist, in hilfloser Verliebtheit kapituliert.

Man hätte von Mike Leigh einen solchen Film nicht erwartet, schließlich kennt man ihn bislang vom radikalrealistischen New British Cinema, das den Blick ja eher in den Rinnstein als den Himmel richtet. Aber „Happy-Go-Lucky“ ist wiederum nicht bloß ein Feelgood-Movie, schon gar kein Wolkenkuckucksheim-Kitsch, die Geschichte wurzelt durchaus in der Wirklichkeit.

Es ist eine zutiefst philosophische Komödie, die einen auf denkbar liebenswerte Weise mit der eigenen, angelernten Katastrophenerwartung konfrontiert. Wie in jener großartigen Szene, in der Poppy nachts auf einsamem Gelände einem brabbelnden Obdachlosen begegnet. Doch ihr geschieht nichts. Sie reißt bloß für Momente den Mann aus seinem Wahn – indem sie ihm zuhört.



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INHALT

Pauline alias Poppy wohnt mit ihrer Freundin Zoe zusammen, liebt grelle Klamotten und hat mit 30 Jahren noch ein kindliches Gemüt, das sich durch nichts und niemanden die gnadenlos gute Laune verderben lässt. Die notorische Optimistin arbeitet engagiert und mit ganzem Herzen als Grundschullehrerin, nervt die Mitbürger aber auch durch penetrante Albernheit - besonders ihren menschenfeindlichen Fahrlehrer Scotty.
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Eure Kritiken zu Happy-Go-Lucky

  1. Sabs

    Ein herrlciher Sommer-Film, beschwingt, lustig, ein wenig kitschig und jede Minute unterhaltsam. Lohnt sich!

  2. nina

    Zu Beginn ist dieser Film wirklich nervig. Das ständige Gelache von Sally Hawkins (Poppy) und ihre extrem gute Laune gehen einem auf den Keks.
    Doch nach etwa einem Drittel wird es besser. Dann macht der Film Spaß und auch ernste Töne finden Anklang.
    Ein gelungener Sommerfilm.

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