AKTUELL IM KINO

Happy End

Plakat zum Film Happy End mit einem Strandfoto und einem Steg, der ins Wasser führt

Bild (c) 2017 X-Verleih AG.

Fünf Jahre nach seinen internationalen Hits „Das weiße Band“ (oscarnominiert) und „Liebe“ (oscarprämiert) macht der österreichische Regisseur Michael Haneke dort weiter, wo er 2005 mit „Caché“ aufgehört hatte: mit schonungsloser, sarkastischer Demontage der bourgeoisen Mittelschicht. Diesmal steht eine ganz normal zerstrittene Großfamilie im Mittelpunkt, ein Bauunternehmer-Clan aus Calais. Das titelgebende gute Ende wird es nicht geben, das ist klar, aber dem bei Haneke immer drohenden Zeigefingermoralismus beugt diesmal ein fast satirischer Witz vor. Ein Anflug von Altersgelassenheit?

Da gibt es den Patriarchen Georges (Jean-Louis Trintignant), der sich umbringen möchte, aber mit dem Rollstuhl nicht weit genug ins Meer rollen kann, den nichtsnutzigen Enkel Pierre, der Geflüchtete aus dem berüchtigten „Dschungel-Camp“ der französischen Hafenstadt für seine Rebellion instrumentalisiert, und dessen kleine Cousine Eve, die ihren Hamster mit Antidepressiva füttert und womöglich die eigene Mutter auf dem Gewissen hat. Isabelle Huppert spielt Georges´ Tochter, die die Firma nach einem tödlichen Baustellenunfall verkaufen will, Mathieu Kassovitz („Amélie„) den ehebrecherischen Arztbruder.

Szene aus dem Film Happy End mit allen beteiligten Schauspielern, die an einem Familientisch sitzen.„Happy End“ ist ein Ensemblefilm, der sich als Bilanz von Hanekes Gesamtschaffen lesen lässt – würfelt er doch munter Charaktere und Motive aus dessen früheren Filmen durcheinander: Trintignant spielt mehr oder weniger seine namensgleiche Figur aus „Liebe“ weiter, hinzu kommt die Haneke-typische, leicht oberlehrerhafte Medienkritik aus Filmen wie „Benny´s Video“ und „Funny Games“, diesmal angewandt auf dubiose Smartphone-Videos, SM-Sex-deftige Facebook-Chats und obsessive Telefonitis.

Ja, die Welt ist schlecht, predigt Haneke. Und auch wenn es diesmal nicht allzu viel Neues gibt als den dezent leichteren Ton: Man lässt sich das, mit diesen tollen Schauspielern, von niemandem lieber bestätigen als von diesem Wiener Misanthropen. Sehenswert.

 

 

 

Merken



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Aktuell im Kino, Kritik, Slider abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*