KRITIK

Hannibal Rising – Wie alles begann

Hannibal Rising - Wie alles begann Das Faszinierende an Hannibal Lector war ja stets, dass er sich mit gänsehauterregender Geschmackssicherheit durch eine Welt bewegte, in der Moral nichts anderes als ein einfallsloser Menüvorschlag war.
Dieser gebildete Kannibale, den wir erstmals in „Das Schweigen der Lämmer“ kennenlernen durften und dem wir wegen seiner sophistischen Appetizer sogar durch den „Roten Drachen“ folgten, besaß nicht nur äußerst erlesene Tischmanieren, sondern auch die staunenswerte Souveränität des Natural Born Killers.

Wenn dieser Mann, dem Anthony Hopkins Grandezza verlieh, mit undurchsichtigem Lächeln verkündete, er erwarte einen alten Freund zum Dinner, war das ein kulinarisches Versprechen der Vier-Sterne-Sorte.

Keine Ahnung, warum Thomas Harris, der Autor der literarischen Vorlagen, sich bemüßigt gefühlt hat, seinem mordenden Gourmet eine küchenpsychologische Vorgeschichte anzudichten. Es ist aber passiert, und Peter Webber hat sie als Serien-Prequel verfilmt, immerhin im Bemühen, sich vom übermächtigen Vorbild zu lösen. „Hannibal Rising“, der auch „Flegeljahre eines Menschenfressers“ heißen könnte, erzählt von den Leiden des jungen Hannibal, der als Kind im Litauen des Zweiten Weltkriegs erleben muss, wie seine Familie den Nazis zum Opfer fällt.
Mit seiner Schwester verschanzt sich der überlebende Waisenknabe in einem leer stehenden Gehöft, wo plündernde Nazi-Kollaborateure einfallen, die aus Hungersnot Hannibals Schwester verspeisen. Aha. Nun wissen wir, was mit dem Begriff „Banalität des Bösen“ gemeint ist.
Der junge und durchaus talentierte Gaspard Ulliel, der nach einem Zeitsprung den herangewachsenen Pariser Medizinstudenten Lector spielt, darf da im Folgenden nichts als einen befremdenden Rachefeldzug antreten, der ihn Blut lecken lässt, und nebenbei eine zartbittere Liebesgeschichte mit seiner warum auch immer japanischen Tante durchzittern.

Sicher, schon bei den alten Griechen, namentlich in Senecas „Thyestes“, setzten sich die Menschen die eigenen Kinder zum Fraß vor, doch wird in Webbers Blutorgie das Motiv auf eine sehr uninspirierte Weise ausgeschlachtet. Nur manchmal blitzt in Ulliels Augen auf, was für ein Film vielleicht auch möglich gewesen wäre.



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INHALT

Im Zweiten Weltkrieg muss Hannibal Lecter in Litauen mit ansehen, wie seine Schwester von ausgehungerten Soldaten ermordet und gegessen wird. Traumatisiert verschlägt es den jungen Mann nach Paris, wo er seine Ausbildung erhält und lernt, sich unliebsamer Menschen auf kultivierte Weise zu entledigen.
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Eure Kritiken zu Hannibal Rising – Wie alles begann

  1. Onur

    Besser als erwartet. Natürlich kommt der Hannibal Darsteller an die Verkörperung durch Anthony Hopkins nicht heran. Dennoch hat mich der Film positiv überrascht.

  2. CEZA

    also der film ist total vom arsch ist eine beleidigung für antony hopkins der wahre hannibal darsteller.

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