KRITIK

Hannah Arendt

Plakat zum Film Hannah ArendtEin Biopic über die schärfste politische Denkerin des 20. Jahrhunderts – wo könnte das beginnen? Beim Seinsphilosophen Heidegger, dessen Studentin und Geliebte sie war? Mit der Emigrationsgeschichte über Frankreich nach New York? Wie soll man ein Leben wie das von Hannah Arendt auf zwei Stunden stutzen, ein Leben, das so reich gefüllt war mit Zeitgenossenschaft, Schicksal und Kontroverse? Die deutsche Autorenfilmerin Margarethe von Trotta, die von Rosa Luxemburg bis Hildegard von Bingen schon so manche Ruhmesfrau zur Zelluloidheldin umgerüstet hat, beginnt mittendrin, 1960, in medias res: mit der Entführung Adolf Eichmanns durch den israelischen Mossad.

Den Prozess gegen den Chef-Organisator des Holocaust beobachtet die zu dieser Zeit längst arrivierte Totalitarismusforscherin vor Ort, 1963 erscheint ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“, in dem sie den Begriff der „Banalität des Bösen“ prägte. Der Prozess und die Anfeindungen, die ihr danach gerade auch von jüdischen Intellektuellen entgegenschlagen, stehen im Mittelpunkt des Films, der gegen alle filmische Vernunft versucht, Geistesgeschichte zu bebildern: Man sieht Barbara Sukowa, die Arendt seltsam elegant-distanziert verkörpert, entsprechend oft beim Debattieren und Dozieren zu. Und beim Kettenrauchen.

Szene aus dem Film Hannah ArendtDie Ausstattung ist beflissen, die Inszenierung bieder, und gerade weil Trotta keinen rein biografischen Film im Sinn hat, irritieren plumpe Rückblenden in die Heidegger-Zeit und ein paar spekulative Thriller-Elemente. Auch sonst bleibt vieles vage. Trotzdem: Eine Ahnung bekommt man vom akademischen Ostküstenmilieu der Sechziger und vor allem davon, wie ungeheuerlich es damals war, dass Arendt das „Böse“ nicht in Moral und Charakter, sondern im Bürokratengeist verortete. Auch wenn ihr Studienobjekt Eichmann inzwischen längst als glühender Antisemit entbanalisiert worden ist. 



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