KRITIK

Hangover 3

Plakat zum Film Hangover 3Das Wolfsrudel: selten führte eine Anarcho-Comedy-Truppe wie Phil Wenneck (Bradley Cooper), Stu Price (Ed Helms) Alan Garner (Zach Galifianakis) und Doug Billings (Justin Bartha) seit ihrem allerersten Leinwandauftritt aus dem Jahre 2009 bei Kino-Fans und Kritikern zu mehr Kontroversen. Denn Regisseur Todd Philipps wiederholte mit seiner chaotischen Truppe inhaltlich nur das, was auch Comedy-Anarchismus und „Coming-Of-Age”-Geschichten wie dem 70er Jahre Kult „Eist am Stiel” und dem 2000er Jahre Sex-Quatsch „American Pie” immanent ist…

Unter Zuhilfenahme der Scriptwriter Jon Lucas und Scott Moore machte Regisseur Todd Philipps aber den folgenschweren Fehler, seinen Protagonisten ihre menschlichen Fehler während der auf den Betrachter in „Hangover 1“ einstürzenden Geschehnisse nicht verzeihen zu können, sondern sie zu funktionalen Abziehbildern und grotesken Parodien von echten Nerds, welche auf Grund ihrer eskapistischen Sauf/Koma – und Gedächtnisriss-Touren tatsächlich Herz, Seele, Charme, einen guten Charakter und (trotz) all ihrer Fehler) ein Recht auf ein entsprechendes Eigenleben besitzen, zu degradieren. Ja, vor allem im Gegensatz zum erwähnten 70er Jahre Kult, verdammte er am Schluss von Hangover die Natur des Menschen als geradezu abstoßend, bevor er alle Beteiligten schließlich wieder im Status Quo zu Hause positionierte… „Hangover 1“ hinterließ trotz einer hohen Gagquote am Ende leider einen nachhaltig unsympathischen Nachgeschmack…

Aber der zumindest kommerzielle Erfolg von Teil 1 führte natürlich zu einer unvermeidlichen Fortsetzung, welche den Eskapismus / den Sauf- und Wettgelagetrieb der vier Freunde auf eine neue Spitze trieb, ohne das Inhaltlich etwas neues hinzugefügt / gewagt wurde… Und zum Abschluss seiner Wolfsrudeltruppe serviert uns Todd Philipps nun „Hangover Teil 3“, welcher nicht nur den Tenor und die missratene Botschaft von Teil 1 wieder aufgreift, sondern den Stoff in eine weitere, unsympathische Richtung weiterentwickelt. Wer hätte das gedacht?

Todd Philipps setzt seinen Abschluss „Hangover 3“ nicht nur als harmlos-redundant in Szene, wenn im Gegensatz zu den Vorläufern die inszenatorische Hektik etwas zurückgeschraubt wird, damit auch der letzte Betrachter, zwecks eines Kinos, welches etwas ganz Großes und Wichtiges vermitteln möchte, ins Boot geholt werden kann… Nein, er degradiert seine ehemals eskapistisch wirkende Truppe nicht nur zu debilen Volltrotteln bzw. langweiligen Normalos, sondern diesmal sogar zu „echten” Verlierern: am Ende der Reise in „Hangover 3“ gibt es nicht mehr genug Geld für alle Beteiligten zu verteilen, rein gar nichts mehr zu lachen, man darf froh sein, wieder nach Hause zu kommen. Alan Garner (Zach Galafiankis) darf sich sogar noch als glücklich erweisen, einen Gegenpart in Sachen Beziehung kennen gelernt zu haben, welcher sich als genauso psychiatriereif wie er selbst erweist. Dem Betrachter bleibt in so einer Situation das Lachen halt im Halse stecken. Im wahren Leben würde er ja, wie schon der Beginn (inklusive selbst verschuldetem Vater-Tod) von „Hangover 3“ zeigt, in dieser Hinsicht ja sowieso keinen Stich mehr holen. All das hinterlässt letzten Endes nicht nur einen belanglosen und unsympathischen Beigeschmack. Nein, in Sachen Geschmacklosigkeit betritt Regisseur Todd Philipps neues Terrain.

„We’ve been on a lot of adventures together. I can’t be your hero anymore. I must resign from The Wolfpack.” – Todd Philipps möchte „Hangover 3“ wohl gerne als Persiflage und gleichzeitigen Abgesang auf den „American Dream” bzw. wahres, etabliertes Hollywood-Heldentum verstanden wissen, er kann mit seiner dieses mal Thriller- artigen (und teils ernster wirkenden) Inszenierungsweise und der zu Grunde liegenden Geschichte um Mr. Chow (Ken Jeong) und einem sichtlich um Selbstironie bemühte-auftretendem John Goodman am Ende aber doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die erzählerische Luft aus „Hangover” bereits deutlich entwichen ist… Todd Phlipps erzählt in Sachen einstürzenden Geschehnissen vordergründig noch mal einiges, aber nicht mehr ganz so viel wie in Teil 1, in Sachen Abgesang (bis auf John Goodmans Wohlstandsnummer) auf wahres, amerikanisches Heldentum in Wahrheit aber extrem wenig. Alles inhaltlich in „Hangover 3“ zu ergründende passt am Ende auf einen Bierdeckel, gefaltet versteht sich…Man erlebst neben allem treiben der Beteiligten zur Abwechslung mal keine amerikanische High-Society, welche weder in Las Vegas noch in einem sonstigem, zwischen Zaun- und Nachbarschaftsgarten ausgetragenem Hillbilly-Streit, sogar kapitalistischem (Börsen) Sinne, ihr Fett mal anständig wegbekommt…Ja nicht einmal die amerikanischen Riten (von Essgewohnheiten bis hin zu kulturellen Events) werden zur Genüge persifliert…Und entsprechend seziert und entlarvt. Todd Philipps beschränkt „Hangover 3” in Sachen Abgesang auf den „American Dream” thematisch nur auf das allernotwendigste…Ein bisschen Dicksein und „Süßes“ konsumieren müssen am Ende halt genügen. Dem Kinopublikum verlangt es aber nach deutlich mehr…

Sogar in Punkto Gagdichte erweist sich „Hangover 3“ als deutlich luftdurchlässiger inszeniert als seine Vorgänger. Bradley Cooper, Zach Galifianakis, Ed Helms und der restliche Cast mühen sich zwar nach Kräften, „Hangover 3“ Substanz zu verleihen, wissen der letzten Endes farblosen, etwas zerdehnten, einschlaffördernden bzw. langweiligen, in Sachen Dramaturgie äußert unausgegorenen bis vorhersehbaren Inszenierung von Todd Philipps aber am Ende auch nichts mehr entgegen zu setzen…Todd Philipps „Hangover 3“ suhlt sich in den ausgelatschtesten Thrillerklischees vergangener Dekaden, ohne auch nur im Ansatz mit ihnen am Ende aufzuräumen / diese zu durchbrechen, schafft es noch nicht einmal, Anspielungen auf diverse Thrillerklassiker Hollywoods in „Hangover 3“ mit dem richtigem Timing zu platzieren…

Im Endeffekt serviert Todd Philipps dem Kinopublikum am Ende dann doch nur uninteressanten bis belanglosen Quatsch, welcher lediglich mit seinem handwerklichen Geschick am Ende zu überzeugen weiß… Mit Hangover ist es nach Teil 3 also endgültig vorbei, ODER? Fans warten natürlich bis nach dem Abspann.

 

 



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*