KRITIK

Handbuch der Liebe

Handbuch der Liebe Wenn man schon für Espressomaschinen und Mobiltelefone enigmatische Gebrauchsanweisungen benötigt, dann ja wohl erst recht für die Liebe. Die Ratgeberabteilungen der Buchhandlungen quellen dementsprechend auch über mit Tipp- und Trost-Titeln.

Aber eine solche praxisorientierte Lebenshilfe im handlichen Format hatte der italienische Regisseur Giovanni Veronesi eher nicht im Sinn. Sein filmischer Essay „Manuale d´amore“ lässt in der Rahmenhandlung ein mal sanft-ironisches, mal hymnisches Hörbuch aufnehmen, das sich ganz den unwägbaren Herzensdingen verschrieben hat und dessen Inhalt im Folgenden in vier Episoden illustriert wird, die recht lose ineinander greifen.

Lektion eins des Poesie-Albums kreist um das stürmische Gefühl der Verliebtheit. Ein junger Mann namens Tommaso (Silvio Muccino) entflammt augenblicklich für die schöne Zufallsbekanntschaft Giulia (Jasmine Trinca), von der er sich partout nicht abwimmeln lässt. Er macht sich lächerlich, fällt ihr auf die Nerven, verliert den Kopf – und wird für seine Beharrlichkeit selbstverständlich belohnt. Es ist, trotz einer gewissen Roberto-Benigni-Clownerie, die stärkste Episode, weil sie so angenehm naiv und schwärmerisch erzählt wird. Und weil sie ein Happyend hat. Denn mit der Romantik ist danach erstmal Schluss.

Die zweite Geschichte handelt von einem kinderlosen Paar, das sich auseinanderzuleben beginnt. Überall lauern Konflikte, sie will feurig tanzen, er will friedlich fernsehen. Als nach dem Abendessen bei Freunden ein Video von der Geburt des Sohnes eingelegt wird, erwacht bei ihr so stark wie nie der Nachwuchswunsch, bei ihm nur der Ekel.

Leider fallen dagegen die verbleibenden zwei Geschichten, die ums Betrogen- und Verlassenwerden kreisen, stark ab. Abgedroschener Klamauk mischt sich da mit konservativem Kitsch: Die hintergangene Politesse tyrannisiert Autofahrer, der verlassene Ehemann wird von Kindeshand gerettet. Es bleibt eine verspielte, selbstredend nicht sehr lehrreiche Etüde über die Liebe in Erinnerung.



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INHALT

Der 23-jährige Tommaso will unbedingt die wunderschöne Guilia erobern und lässt nicht eher locker, bis sie seinem Werben nachgibt. Barbara und Marco sind schon lange ein Paar und müssen feststellen, dass die Routine ihre Beziehung erstickt hat. Streifenpolizistin Ornella ertappt ihren Mann beim Seitensprung und rächt sich. Und der gestandene Goffredo muss die Trennung von seiner Frau verarbeiten.
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